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Traditionsbau : Der Anker wird mit neuem Leben erfüllt

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Lidl-Einkaufsmarkt zieht in Ex-Spirituosenfabrik ein. 30 Mietwohnungen entstehen im historischen Klinkerbau.

svz.de von
erstellt am 28.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Dass aus der ehemaligen Spirituosenfabrik Anker doch noch etwas gemacht wird, damit hätte wohl niemand gerechnet. Besonders Stadtkonservatorin Uta Jahnke ist deshalb umso mehr begeistert, dass das geschichtsträchtige Gebäude in der Doberaner Straße wieder mit Leben erfüllt wird. „Und das komplett ohne Fördermittel“, sagt sie. 30 Wohnungen und ein Lidl-Einkaufsmarkt finden in dem historischen Bau, dessen Richtfest gestern gefeiert wurde, Platz.

Fünf Millionen Euro wurden für die Sanierung des Ankers veranschlagt. „Wir liegen allerdings weit darüber“, sagt Bianca Baar-Weber. Sie hat die Projektsteuerung und -entwicklung für den Bauherren, einen Investor aus der Region, übernommen. Bei der Sanierung des mehrfach abgebrannten Ankers ist die Projektentwicklerin immer wieder auf unvorhergesehene Herausforderungen gestoßen. Die haben die Bauarbeiten mehrfach behindert und die Kosten in die Höhe getrieben.

Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit kann nun am 1. Dezember der neue Einkaufsmarkt, nahe dem Verkehrsknotenpunkt Doberaner Platz, eröffnet werden. Der Lidl umfasst eine reine Verkaufsfläche von 900 Quadratmetern, die Gesamtfläche des Marktes beläuft sich auf 1500 Quadratmeter, dazu werden 56 Kundenstellplätze errichtet. Über eine Integral-Anlage wird der gesamte Bedarf an Wärme und Kälte selbst erzeugt und dadurch keine fossilen Brennstoffe benötigt.

Über dem Einkaufsmarkt entstehen außerdem 30 zum Teil barrierefreie Mietwohnungen. „Ein Drittel ist bereits zur Vermietung vorgemerkt“, sagt Ulf Böckmann, beauftragter Makler. Die Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen haben eine Deckenhöhe von 2,7 Metern, sind fast alle individuell geschnitten und mit Fußbodenheizung ausgestattet. „Die Balkons sind bis zu 18 Quadratmeter groß“, sagt Böckmann. Stichtag für den Einzug der ersten Mieter ist der 1. Februar 2015.

Die Spirituosenfabrik Anker wurde 1872 vor den Toren der Hansestadt errichtet. Bereits im 19. Jahrhundert litt der Klinkerbau unter einem ersten Brand, später unter einem Bombeneinschlag während des Zweiten Weltkrieges und 1967 unter einem weiteren Feuer. „Durch den letzten Brand 1998 wurde die Fabrik so stark zerstört, dass nahezu nur noch die Fassade erhalten werden konnte“, so Stadtkonservatorin Jahnke. Auch der Malzturm überdauerte die Zeit. Jahrelang stand der Anker leer. Viele Ideen wie zuletzt die Installierung einer Kletterhalle erwiesen sich als unwirtschaftlich. Dass aus dem maroden Bau nun doch noch ein Schmuckstück wird, hätte Jahnke nicht gedacht. Sie ist froh, dass ein Stück Rostocker Industriegeschichte erhalten bleibt.

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