Den Schweinen auf den Fersen

<strong>Vor dem Verkauf </strong>lässt Angelika Stoll jedes Schwein auf Krankheiten überprüfen. <foto>Foto: Torben Hinz</foto>
Vor dem Verkauf lässt Angelika Stoll jedes Schwein auf Krankheiten überprüfen. Foto: Torben Hinz

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01. Juli 2012, 04:47 Uhr

Rostock | Immer wieder hinterlassen vor allem Wildschweine in Rostocker Kleingärten und Parks ein Chaos. Damit soll bald Schluss sein. Forstamt und Universität planen, die Schweine mit Sendern auszustatten und so ihre Wanderbewegungen und bevorzugten Aufenthaltsorte nachzuvollziehen. "Es geht darum, wie man die Schädlinge vergrämen kann - etwa indem man ihre Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadt einschränkt", sagt Angelika Stoll, die im Forstamt den Bereich Jagd bearbeitet. Allerdings steckt das Vorhaben noch in der Anlaufphase. Wann die ersten Schweine mit den Sendern ausgestattet werden können, ist noch nicht klar.

Als Schwarzwild dürfen Wildschweine das ganze Jahr über gejagt werden. Anders der Bock: Er ist erst seit dem 1. Mai zum Abschuss freigegeben. "Für die Jäger ist das wie Ostern und Weihnachten zusammen", sagt Stoll. Seit Juni darf auch dem meisten Rotwild nachgesetzt werden. Die genauen Zeiten variieren, hängen unter anderem davon ab, wann der Nachwuchs versorgt wird. Muttertiere und ihre Jungen stehen generell unter Schutz. Allerdings ist es nicht immer leicht, sie zu identifizieren, denn Dachs oder Marderhund beispielsweise lassen ihre Sprösslinge im Bau zurück.

Älteres Wild ist schwieriger zu erlegen

Besonders im Herbst finden Wildhändler und Privatleute in den beiden Kühlzellen des Forsthofs eine reiche Auswahl an erlegtem Wild. Denn dann finden die Gesellschaftsjagden statt. Bis zum Januar strömen die Drücker mit ihren Hunden rund zehnmal in die Rostocker Heide aus, um den Schützen die Tiere vor die Flinte zu treiben. Mitten drin ist dann auch Stoll. Ausgerüstet mit Sitzkissen, Tee, einer Decke, Schokolade und bleifreier Munition wartet sie an ihrem Stand auf die Gelegenheit für den richtigen Schuss, wie 30 bis 70 andere Jäger auch. "Am sichersten ist ein Treffer in Herz oder Lunge", sagt sie. Schlägt die Kugel dort nicht ein, könne das Tier im schlechtesten Fall noch kilometerweit laufen, bevor es zusammenbricht. Dann kommen speziell ausgebildete Suchhunde zum Einsatz, damit das Wild nicht unnötig leiden muss.

Erfahrenere Tiere, die schon mehreren Treibjagden entkommen sind, gehen aber ohnehin in Deckung, sagt Stoll: "Die wissen ganz genau, was los ist." Sobald sie die vielen Autos am Sammelplatz wahrnehmen oder die Jagdhörner hören, nehmen sie Reißaus. "Auch Schweine sind nicht dumm", so Stoll. Menschen hingegen werden durch Schilder gewarnt. Diese werden unter anderem an den Straßen aufgestellt, damit die Autofahrer nicht von Wild überrascht werden, das auf der Flucht aus dem Gebüsch hervorbricht. Und damit die Jäger sich nicht gegenseitig oder ihre Treiber aufs Korn nehmen, werden vor dem Ausströmen Schussrichtung und -zeiten exakt festgelegt. Außerdem tragen die Beteiligten Hutbänder und Signalwesten. Das ist im Frühling und Sommer, wenn die Jäger alleine auf Pirsch gehen, nicht nötig.

Die Rostocker Heide ist in 35 Bezirke unterteilt, die von privaten Jägern auf Zeit gepachtet werden können. Erst vor Kurzem wurden zwölf von ihnen neu versteigert. "Wir hatten 16 Bewerber, die 27 Angebote abgegeben haben", so Stoll. Um Wettbewerbsgleichheit zu garantieren, wurden die geheimen Gebote erst am Stichtag geöffnet. Die neuen Pächter müssen einige Voraussetzungen erfüllen, um das Gebiet nicht wieder abgeben zu müssen. Dazu gehört beispielsweise die Einhaltung der drei vorgegebenen Mindestabschüsse im Jahr. Zu den zusammen 3000 Hektar großen Pirschbezirken kommen noch einmal 2000 Hektar, die die Stadtförster selbst bestreifen. In bewohntem Gebiet darf nur in Ausnahmefällen und unter größter Vorsicht scharf geschossen werden. Gegen Plagen dort geht die Stadt vor, indem sie Versteckmöglichkeiten für das Schwarzwild beseitigt. So geschehen beispielsweise im Iga-Park.

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