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Schuldnerberatung : Den Schuldenberg bezwingen lernen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Caritas bietet an mehreren Stellen des Landkreises Beratungsstellen für Menschen in finanziellen Schwierigkeiten

Weniger Geld ausgeben, mehr sparen, dieser Vorsatz wurde zum Jahreswechsel oft ausgesprochen. Für einige Menschen ist er aber auch lebensnotwendig – sie haben Schulden angehäuft, die sie nicht mehr bezahlen können. Birgit Bruß hat tagtäglich mit solchen Fällen zu tun – denn sie arbeitet bei der Schuldnerberatung der Caritas in Tessin. An vier Standorten bietet der Trägerverein allein im östlichen Bereich des Landkreises diese kostenlosen Dienste an – und sie werden auch dringend gebraucht. „Schulden gehören mittlerweile oft zum Alltag. Problematisch wird es erst, wenn man sie nicht mehr bedienen kann“, sagt die Expertin, die laufend etwa 200 Fälle bearbeitet. Für viele Menschen sei es aber ein langer Weg, zu erkennen, dass sie ohne Hilfe von außen nicht mehr klarkommen. „Sie probieren es lange alleine, verzetteln sich dann aber oft mit den Raten“, so Birgit Bruß. Auslöser, zu ihr zu kommen, seien dann meist angedrohte Stromsperren oder Wohnungskündigungen. „Oft ist die Erleichterung bereits nach dem Erstgespräch groß, weil sich der Knoten dann entwirrt“, weiß Birgit Bruß. Neben den Menschen, die freiwillig zu ihr kommen, kann auch das Gericht oder die Arbeitsagentur verfügen, dass die Schuldnerberatung besucht werden muss.

Die Soll-Beträge ihrer Klienten variieren stark. „1500 Euro können einen aber genauso seelisch belasten wie 50 000 Euro“, sagt Birgit Bruß. Über das, was bei den Beratungen gesprochen wird, herrscht Schweigepflicht. Schließlich haben die Berater Einblick in ganz sensible Daten. „Wenn jemand nicht spontan zur Sprechzeit kommt, sondern sich anmeldet, dann ist es immer gut, wenn er die Unterlagen vor dem ersten Termin zumindest schon ein bisschen sortiert“, sagt die ausgebildete Sozialtherapeutin, die für ihr aktuelles Beratungsgebiet noch eine separate Weiterbildung absolviert hat. Sie hat aber auch schon erlebt, dass Klienten mit einer Tüte voller noch ungeöffneter Rechnungen zu ihr kommen.

Das Vertrauen zwischen Klient und Berater sei die wichtigste Basis für den Erfolg. Oft stünden die finanziellen Schwierigkeiten nicht allein, sondern kommen noch Familien-, Partnerschafts- oder Suchtprobleme dazu. „Deshalb geht es mir nicht nur um die Zahlen, sondern die Person und ihre Lebensumstände stehen im Mittelpunkt“, so Birgit Bruß. Da sie im ländlichen Raum ihre Beratung anbietet – neben Tessin gehört auch die Gemeinde Dummerstorf dazu – hat sie auch schon ganze Familien bei der Entschuldung begleitet. „Verhaltensweisen im Umgang mit Geld werden gerne auch innerhalb der Familie weitergegeben“, hat sie beobachtet.

Dass die Schuldnerberatung auch im Fernsehen thematisiert wurde, habe geholfen, die Existenz solcher Angebote bekannter zu machen und bei den potenziellen Klienten Hemmschwellen abzubauen. Allerdings hätten die dort gezeigten Fälle wenig mit ihrer Arbeitsrealität zu tun, sagt Birgit Bruß. Nur selten begleitet die Beraterin ihre Klienten zur Bank, Behörden oder Gläubigern. „Es geht vielmehr um Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt sie. Leider gebe es auch immer wieder Klienten, die die Beratung abbrechen. Andere wiederum kommen schon vorsorglich, wenn der Jobverlust droht und sie wissen, dass Darlehen für Auto oder Haus nicht mehr bezahlt werden können. Birgit Bruß berät ohne den moralischen Zeigefinger. Denn eines hat sie in ihrer langjährigen Tätigkeit gelernt: „Schulden können jeden treffen – vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Hochschulabsolventen.“ Doch es gebe immer einen Ausweg aus der finanziellen Not – und ein guter erster Schritt sei dabei ein Besuch bei der Beratungsstelle.

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erstellt am 15.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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