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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Rostock : „Den Auftrag müssen wir erfüllen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Großer Ansturm auf Augenarztpraxen nach nicht verlängerter Spritz-Ermächtigung für die Uniklinik. Betroffene legen Widerspruch ein

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Seit einem Monat muss Norbert Schulz von der Augenärztlichen Gemeinschaftspraxis und Praxisklinik Zur Himmelspforte zusätzlich ehemalige Patienten der Uni-Augenklinik versorgen. Der unabhängige Zulassungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen hatte die Ermächtigung der Klinik für ambulante Spritzen nicht verlängert beziehungsweise neu erteilt. „Die ersten Tage waren deutlich härter, in den letzten Wochen hat sich die Situation ein bisschen stabilisiert“, sagt Schulz.

Im Schnitt rechnet er mit sechs bis sieben Injektionen in den Glaskörper des Auges pro Betroffenem und Jahr. Insgesamt behandeln die Rostocker Privatpraxen damit jetzt rund 400 Patienten zusätzlich zur ohnehin hohen Auslastung. „Das ist ein Versorgungsauftrag, den wir erfüllen müssen. Da geht es um knallharte Terminvorgaben“, sagt Schulz. Sei ein Patient bereits in Therapie und benötige wieder eine Spritze, dann gebe es keinen Verhandlungsspielraum. „Da kann man sich nicht rausreden“, sagt Schulz. Von der regelmäßigen Behandlung hänge der Erfolg der Therapie entscheidend ab.

Die größte Befürchtung der betroffenen Patienten, durch den erzwungenen Arztwechsel lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen, habe sich nicht bestätigt. „Wir vergeben nach Dringlichkeit“, so Schulz. Generell plädiert der Augenarzt aber dafür, der Uniklinik die Ermächtigung wieder zu erteilen. Sie hatte sie seit 2007 inne. „Unser Standpunkt ist, dass die Therapie zur Behandlung an der Klinik insgesamt dazugehört“, sagt Schulz. Diese Meinung teilen allerdings nicht alle Kollegen. Schulz: „Das ist eine ganz knifflige Geschichte.“

Laut Gesetzgeber sollen die Vertragsärzte die ambulante medizinische Versorgung sicherstellen. „Nur im Ausnahmefall kann eine Beteiligung von Krankenhausärzten und Instituten stattfinden“, sagt Kerstin Alwardt von der Kassenärztlichen Vereinigung MV. Der Ausnahmefall tritt dann ein, wenn eine Versorgungslücke besteht. Allerdings sind die Kliniken in der Regel teurer als Vertragsärzte. „Wenn sich die Mitglieder des Zulassungsausschusses davon überzeugen können, dass die fraglichen Leistungen in ausreichendem Umfang von den Praxen angeboten werden, darf der Ausschuss eine Ermächtigung nicht erteilen oder verlängern“, erklärt Alwardt.

Im Fall der Uni-Augenklinik liegt ein Widerspruch vor, über den der Berufungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen entscheiden muss. Einen Termin gibt es noch nicht.

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