Rostocker Solaranlagenbauer thermovolt AG : Dem Papst die Sonne aufs Dach geholt

<strong>Moderne Technik im alten Rom:</strong> thermovolt hat dem Vatikan ein Sonnenkraftwerk aufs Dach gestellt.
Moderne Technik im alten Rom: thermovolt hat dem Vatikan ein Sonnenkraftwerk aufs Dach gestellt.

Bei den Solaranlagenbauer thermovolt AG ist von der Krise in der Solarwirtschaft nichts zu spüren. Die Aufträge übersteigen deutlich die Prognosen für 2012. Selbst Papst Benedikt XVI. setzt auf Solaranlagen.

svz.de von
15. Juni 2012, 07:44 Uhr

Rostock | Von wegen Krise in der Solarwirtschaft: Gegen den Branchentrend erwartet der Rostocker Solaranlagenbauer thermovolt AG 2012 ein erfolgreiches Wirtschaftsjahr. Aufträge für den Bau von 20 Sonnenkraftwerken mit einer Leistung von 55 Megawatt stehen in den Orderbüchern, teilte Vorstand Gunnar Geske am Donnerstagabend mit. Weitere 35 Kraftwerke in Deutschland, Italien, England, Rumänien, Bulgarien und Zypern seien in Planung. Geske: "Die Aufträge übersteigen deutlich unsere Prognosen für 2012."

Damit setzt sich das Rostocker Unternehmen deutlich von der deutschen Solarbranche ab. Überkapazitäten, Billigkonkurrenz aus Asien und die von der schwarz-gelben Koalition beschlossene drastische Kürzung der Solar-Förderung hatten die Modulhersteller in ihre bisher tiefste Krise gestürzt - nach millionenschwerer Förderung durch den Steuerzahler meldet inzwischen ein Unternehmen nach dem anderen Konkurs an. In der Vergangenheit seien die Märkte "subventionsgetrieben" gewesen, zeigte thermovolt-Aufsichtsrat Rudolf Rinck Verständnis für die Subventionskürzungen. Dadurch seien selbst in sonnenarmen Regionen Anlagen gebaut worden. In der bis dahin boomenden Solarbranche sei bis vor wenigen Jahren ein "reiner Verkäufermarkt" entstanden, den die Modulhersteller diktierten und Module zuteilten, erklärte Rinck. Allerdings: Der von schwarz-gelb beschlossene Ausstieg aus der Solarförderung sei zu schnell erfolgt. Außerdem sei jeder gesetzliche Rahmen verlorengegangen, sagte Rinck. Das führe inzwischen dazu, dass der Ausbau der Solarenergie an der Zurückhaltung der Kapitalgeber zu scheitern droht. Banken gingen keinerlei Risiken mehr ein und seien nicht mehr bereit, in neue Solaranlagen zu investieren. Die Branche sei von einem Tag auf den anderen in die Sanierungsabteilung der Banken herabgestuft worden. Die Situation sei mittlerweile "marktgefährdend", sagte Rinck. "Wir brauchen wieder Verlässlichkeit.", forderte er die Bundesregierung zu schnellen Lösungen auf.

Deutschland droht derweil den Anschluss zu verlieren: Mittlerweile kauften sich ausländische Investoren die zuvor massiv mit deutschen Steuergeldern geförderten Unternehmen mit ihrem mit hohem Aufwand entwickelten Technologien auf.

Für thermovolt sind die Aussichten für 2012 dennoch günstiger denn je: Der Kapitalzurückhaltung deutscher Geldgeber setzen die Rostocker eine Kooperation mit einem namhaften chinesischen Modulhersteller entgegen. "Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden", meinte Geske. Inzwischen würden auch chinesische Produzenten den drastischen Preissturz zu spüren bekommen, so dass sie sich auch als Projektentwickler und Investoren auf dem europäischen Markt engagierten. Thermovolt knüpft damit an die rasante Entwicklung der letzten Jahre an. Mit einem ersten Großprojekt eines 30-Megawatt-Sonnenkraftwerkes in Spanien und einem Jahresumsatz von 14 Millionen Euro 2007 gestartet, hat das Unternehmen das Geschäft inzwischen vervierfacht. Für dieses Jahr wird ein Umsatz von 60 Millionen Euro erwartet, sagte Geske - etwa so viel wie im vergangenen Jahr. Thermovolt gehört inzwischen zu den bedeutendsten Anlagenbauern Deutschlands.

Selbst Papst Benedikt XVI. setzt auf Solaranlagen. Im Jahr 2008 hatten Rostocker die erste Photovoltaikanlage des Vatikans auf der Audienzhalle des Papstes installiert. Nach einem "starken Jahr" in Großbritannien errichten die Rostocker derzeit unter anderem in Wismar ein neues Solarkraftwerk.

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