Dem Nerz geht es an den Pelzkragen

<strong>Niedlich, aber räuberisch</strong>: Der Mink  macht hierzulande Jagd auf Wasservögel. <foto> DPA</foto>
Niedlich, aber räuberisch: Der Mink macht hierzulande Jagd auf Wasservögel. DPA

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18. Juli 2012, 07:31 Uhr

Schwerin | Brutausfälle von bis zu hundert Prozent. Die Populationen von Stockenten und anderen Wasservögeln sind bedroht. Der Hauptübeltäter ist ein niedliches Pelztier mit Knopfaugen - der amerikanische Nerz, auch Mink genannt. Mindestens 14 Prozent der zerstörten Vogelnester gehen beispielsweise im Naturschutzgebiet "Fischteiche Lewitz" im Landkreis Ludwigslust-Parchim auf sein Konto, so Untersuchungen von Forstzoologen der TU Dresden. Dem Marderhund werden sieben Prozent der zerstörten Nester angerechnet. Der Waschbär folgt mit zwei Prozent, und große Raubsäuger wie Fuchs und Dachs bringen es auf 11 Prozent. Bei 41 Prozent der Zerstörung fanden die Wissenschaftler keinen Übeltäter.

Dass dieser Räuber in Mecklenburg-Vorpommern lebt, ist keine Geschichte der Evolution. Das Tier war ursprünglich in Nordamerika verbreitet. Doch wegen seines Fells wurde es auch in Europa gezüchtet. Von so genannten Pelztierfarmen konnten diese Tiere vielmals flüchten oder gelangten durch "Befreiungsaktionen" von Tierschützern in die Natur. So ließen sich diese Räuber auch in Mecklenburg-Vorpommern nieder.

Dabei spielt jedoch die Freilassung von 17 000 Nerzen in Sachsen-Anhalt für die Populationen in Mecklenburg-Vorpommern keine Rolle. "Das ist zu weit weg", sagt Norman Stier von der Technischen Universität Dresden. Die hiesigen Tiere würden auch von hiesigen Pelztierfarmen stammen.

In seinem Forschungsprojekt hat sich der Wissenschaftler auf Raubsäuger und deren Einfluss auf Wasservögel konzentriert. Er kommt dahingehend zu dem Ergebnis, dass der Mink in Land weiterhin bejagt werden sollte, weil sonst viele heimische Populationen akut gefährdet seien.

"Der Mink wildert äußerst effektiv", sagt Norman Stier. Während andere Räuber die Nester mit den Eiern plündern, habe es der Mink auch auf Jung- und Alttiere abgesehen. Acht bis zehn amerikanische Nerze habe Norman Stier im Naturschutzgebiet von einer Größe von 10 Quadratkilometern gezählt. Von der Anzahl sollte man sich nicht trügen lassen. "Wenige Tiere können einen erheblichen Schaden anrichten", erklärt der Wissenschaftler. Hinzu komme, dass der Mink kaum natürliche Feinde hat. "Vormals hatten wir eine viel höhere Dichte, dann gab es einen Einbruch", sagt Norman Stier. Amerikanische Nerze im Naturschutzgebiet der Lewitz waren mit Ende des Projektes im vergangenen Jahr nicht mehr zu finden. Norman Stier führt das auch auf die Jagd zurück. "Wir haben gezeigt, dass das geht", sagt er. Obwohl man die Entwicklung stets weiter im Augen behalten müsse. So gab es im Mai 2011 erneut zwei Sichtungen, doch die Tiere seien dann wieder verschwunden.

Solche positiven Ergebnisse ließen sich auch für ähnliche Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern erreichen. "Es ist aber nicht damit getan, die Hälfte der Tiere wegzufangen, damit sich das positiv auf die heimischen Tierarten auswirkt", erklärt er. Um die 90 Prozent der Nerze müssten weg, damit mit einem 60-prozentigen Schlupferfolg bei Wasservögeln zu rechnen ist.

Amerikanische Nerze und deren Entwicklung im Land werden vom Landesjagdverband offenbar nicht als Problem betrachtet. "Wir quellen nicht über", sagt Rainer Pirzkall, Referent für Naturschutz und Landwirtschaft.

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