Dem Glück auf der Spur - ein Philosoph für Rostock

Natur und Philosophie: Für Philosoph Dr. Hans-Jürgen Stöhr steht alles in einem großen Zusammenhang. Georg Scharnweber
Natur und Philosophie: Für Philosoph Dr. Hans-Jürgen Stöhr steht alles in einem großen Zusammenhang. Georg Scharnweber

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19. September 2012, 09:39 Uhr

Rostock | Macht Scheitern einen Sinn? Kann man heute überhaupt noch glücklich sein? Was ist Macht? - Es scheint in der Natur des Manschen zu liegen, Fragen zu stellen, zur eigenen Existenz, aber auch zu den großen Zusammenhängen des menschlichen Zusammenlebens. "Dafür muss man kein Philosoph sein", sagt Dr. Hans-Jürgen Stöhr. Er selbst hat Philosophie und Biologie studiert und nun in Rostock die erste philosophische Praxis eröffnet. Hier hilft der 63-Jährige im philosophischen Gespräch, eigene Antworten zu finden.

Daneben findet morgen das erste Philosophische Café im Kaffeelust, Ulmenstraße 1, und ein Philosophischer Salon im Hotel Sonne statt. Philosophische Salons haben eine lange Tradition. Schon Ende des 17. Jahrhunderts traf sich das aufgeklärte Bürgertum bei Wein, um über aktuelle Fragen des Weltgeschehens und der Gesellschaft zu diskutieren. Diese Tradition soll nun in Rostock weitergeführt werden.

Philosophie, das ist Dr. Hans-Jürgen Stöhrs Leben. Der gebürtige Parchimer ging nach seinem Abitur in Stralsund an die Humboldt Universität in Berlin. Von 1968 bis 1975 studierte er dort Biologie und Philosophie. Anschließend machte er in Rostock als Philosoph und Hochschullehrer Karriere. Innerhalb weniger Jahre habilitierte er sich auf dem Gebiet der Evolutionstheorie und der Widerspruchsdialektik. Er leitete Forschungsgruppen, gab die Rostocker philosophischen Manuskripte heraus.

Dann kam die Wende. Stöhr und seine Kollegen wurden durch Philosophen aus dem Westen ersetzt. "Schon damals kam mir die Idee, eine Art philosophisches Café zu gründen", erinnert er sich. Inzwischen sind mehr als 20 Jahre vergangen. Stöhr machte eine Weiterbildung für Sozial- und Gesundheitsmanagement, gründete ein Institut für ökosoziales Management, dessen Geschäftsführer er bis heute ist. Hier entwickelt er Projekte und berät soziale Einrichtungen. Die Philosophie ließ ihn nie los. "Bei der Entwicklung von Leitbildern oder auch, wenn es um die Werte in der Pflege geht, ist schon viel Philosophie im Spiel."

Dem großen, schlanken 63-Jährigen mit dem grau-melierten Vollbart geht es aber vor allem darum, in Rostock auch Laien die Möglichkeit zum Philosophieren zu geben. "Und ich freue mich darauf, auch selbst ganz viel Input und Denkanstöße aus den Gesprächen zu ziehen. Es geht nicht um die Philosophie, sondern um das Philosophieren an sich", erklärt Stöhr. Ob in der Politik, Wirtschaft, Natur, Partnerschaft oder im Job - die Veranstaltungen geben der Frage Raum, wie das individuelle Menschsein in den heutigen Alltag passt, und all den Themen, die die Menschen berühren. "Sobald man sich einmal näher in die Natur hineingesehen hat, kommt man nicht drum herum, alles in Zusammenhängen zu denken", erklärt er. Dabei kommt ihm sein Biologiestudium sehr zugute, insbesondere die Evolutionstheorie.

Ob er sich selbst als Philosoph sieht? "Für mich ist ein Philosoph jemand, der neugierig ist und Fragen stellt, aber auch akzeptiert, dass es manchmal keine Antworten gibt."

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