zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 14:14 Uhr

"Delirium" in der KTV

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2013 | 10:02 Uhr

Rostock | Das Matrosendenkmal als Kulisse, davor auf dem Beton liegend ein junges Mädchen, reglos, der Kopf nach unten gewandt - die Kröpeliner-Tor-Vorstadt ist zum Filmset geworden. Der Autor und Regisseur Holger Löwe dreht noch bis heute Nacht mit Schauspielstudenten der Hochschule für Musik und Theater (HMT) den Film "Delirium".

"Es steht im Lehrplan, dass sie Set-Erfahrung brauchen", sagt Löwe. Das Projekt als Kurs der Rostocker Schule an der HMT soll diese liefern. Schon seit sechs Jahren organisiert Löwe mit anderen Dozenten solche Filmprojekte. Insgesamt werden in diesem Jahr mit den zehn Studenten aus dem dritten Studienjahr drei Streifen gedreht. Viele von ihnen spielen in zwei Filmen mit. "Schauspielerei ist ein hartes Brot", sagt Löwe. Der Fokus liege meist auf dem Theater, die Filmdrehs sollen weitere Perspektiven öffnen. "Das bietet eine Alternative zum Theater, es ist etwas, das sie auch bei einer Bewerbung zeigen können."

Gefördert werden die Filmprojekte auch: 777 Euro kommen für jeden der drei Filme von der Rostocker Brauerei und mit 6000 Euro sponsert die HMT alle drei Filme zusammen. Das Geld darf einzig für die Ausstattung, Requisiten oder die Ausleihe von Kameras oder die zum Transport notwendigen Fahrzeugen verwendet werden - nicht für Gagen.

Die Schauspielstudenten sind ungebrochen motiviert. Es seien große Talente dabei, sagt Löwe, der im zweiten Film "Betonfraß" von Karsten Kranzusch auch Regieassistent ist. Sie seien regelrecht hungrig auf die Drehs. "Und wir schreiben die Geschichten auf ihre Gesichter." Löwe hatte erst seine Schauspieler und schrieb dann das Drehbuch.

Ihre Charaktere, ihr Potenzial waren für Löwe der Grundstoff seiner Story. "Das ist eigentlich Luxus", sagt Löwe. Die Grundstory ist schlicht, könnte jede Nacht so passieren: Felix (Clemens Riegler) soll für seinen Kumpel Chris (Tino Kühn) dessen neue Freundin von einer Party abholen und zu ihm bringen. Als guter Freund zieht er los, um das Mädchen abzuholen. Was ihn allerdings erwarten wird, kann er vorher nicht abschätzen. Sophie (Anna Borner) benimmt sich völlig daneben und schafft es in einer Nacht, Felix’ Prüfung und Teile seines Privatlebens zu ruinieren, völlig unbeeindruckt von ihrem eigenen Delirium - so auch der Filmtitel.

"Ich schreibe meine Bücher immer ohne Dialoge und versuche so das Mehr an Authentizität zu kriegen", sagt Löwe. "Felix muss kurz überlegen. Als er versuchen will, den Terminus Freundschaft laut zu definieren...", heißt es im Drehbuch. Der Kern der Szene ist klar, das Leben können die Schauspieler ihr aber selbst einhauchen - mit ihrem eigenen Ausdruck. Seit Dienstag trifft sich das Team täglich um 21 Uhr. Die Schauspieler gehen in die Maske, letzte Vorbereitungen werden getroffen, der Kleinbus bepackt. Kamera- und Tonmänner, Szeneograf und Produktionsleiter sind mit vor Ort. Frühstens um 22 Uhr, mit einbrechender Dunkelheit, beginnt der Dreh und läuft bis 5 Uhr morgens.

Die anderen Teams fangen im August zu drehen an. Ein Projekt ist auch die Science-Soap als Fünfteiler, die das Studium unter der Regie von André Jargusch an der Uni Rostock anpreisen will. Die Soap wird zusätzlich von EU und Stadt gefördert. Im Frühjahr werden die Filmprojekte dann in der HMT gezeigt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen