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Über Jazz Lyrik Prosa und den unvergessenen Erfinder Josh Sellhorn : Dauerbrenner kehrt zurück

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Unter dem Motto "Ach du Fröhliche - ein etwas anderes Weihnachtsprogramm" kehrt die "Jazz Lyrik Prosa"-Reihe Ende November nach Schwerin zurück.

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erstellt am 22.Nov.2011 | 11:27 Uhr

Schwerin | Unter dem Motto "Ach du Fröhliche - ein etwas anderes Weihnachtsprogramm" kehrt die "Jazz Lyrik Prosa"-Reihe Ende November nach Schwerin zurück. Mit Franziska Troegner, Peter Bause, Ruth Hohmann und dem Macky Gäbler Quartett ist die Show hochkarätig besetzt. Unser Musikexperte Uli Grunert sprach mit Jazz-Legende Ruth Hohmann und dem Schauspieler Peter Bause über die Liebe zur Musik, die Geschichte der Kult-Veranstaltungsreihe und ihren 2009 verstorbenen Gründer Werner "Josh" Sellhorn.

Frau Hohmann, Sie waren die erste und lange Zeit die einzige Jazzsängerin der DDR. Haben Sie den Jazz in ihrer Jugend entdeckt?

Ruth Hohmann: Ein richtiges Jazz-Konzert habe ich in meiner Jugend in Eisenach leider nicht erleben dürfen. Ich habe lediglich im Fürstenhof, wo wir auch zur Tanzstunde gingen, ein Konzert von Billy Buhlan und Rita Paul besucht. Buhlan war ja nicht nur Schlager-Sänger, sondern auch ein sehr guter Pianist. Richtigen Jazz konnte ich in der Zeit nach dem Krieg allerdings in Eisenach nur im Radio hören und zwar den US-Soldatensender AFN aus Frankfurt. Da hat jeden Freitagabend um viertel vor Zehn Duke Ellington ein Konzert gegeben. Und ich dachte: Meine Güte, was ist das für eine herrliche Musik.

Haben Sie damals schon da ran gedacht, als Jazz-Sängerin auf die Bühne zu gehen?

Ruth Hohmann: Nein. Während meiner Oberschulzeit habe ich erst mal eine Ballett-Ausbildung am Eisenacher Theater gemacht. An Jazz-Singen war noch nicht zu denken. Erst sehr viel später ist der Bandleader und Arrangeur Walter Kubiczeck auf mich aufmerksam geworden. Ich bekam dann das Angebot, Schlager zu singen. Aber ich wollte Jazz singen. Ich war zu der Zeit bereits dreißig Jahre alt. "Ich liebe dich" und ähnliches zu singen, war mir zu albern. Ich habe dann einfach mal bei den Jazz-Optimisten angeklopft und gefragt, ob sie mal mit einer Sängerin auftreten würden. Unser erster gemeinsamer Auftritt war im Berliner Haus der DSF im November 1961. Das Jubiläumskonzert ist schon geplant und bereits ausverkauft.

Für "Jazz Lyrik Prosa" in Schwerin gibt es noch Karten. Wann sind Sie mit dieser Veranstaltungsreihe in Berührung gekommen?

Ruth Hohmann: Angefangen hat es in den 60er-Jahren. Ich war bei der Vorgänger-Reihe "Jazz und Lyrik" dabei, außerdem bei "Bücher, Songs, Balladen", bei der auch Wolf Biermann und Manfred Krug dabei waren. Nach dem 11. Plenum war dann erst einmal Schluss mit alldem. Aber Josh Sellhorn hat bald wieder versucht, gegen alle Widerstände alles neu aufzubauen.Ich war sozusagen ein alter Hase, habe gern wieder mitgemacht. Diese Reihe läuft tatsächlich bis heute. Ein kleines Wunder! Natürlich ist der lange Erfolg beim Publikum auch den vielen guten Schauspielerinnen und Schauspielern zu verdanken.

Apropos Schauspieler. Herr Bause, wann haben Sie "Jazz Lyrik Prosa" entdeckt?

Peter Bause: Zum ersten Mal bin ich auf die Schallplatte gestoßen, die es davon gab. Das mag so 1967 oder 1968 gewesen sein. Die war damals purer Goldstaub. Ruth Hohmann hatte dort bereits einen Auftritt mit dem ebenfalls scat-singenden Manfred Krug. Auch die Jazz-Optimisten waren dabei. Als Akteur bin ich erst bei der Neuauflage nach der Wende dazugestoßen. Werner Sellhorn habe ich jedoch sehr viel früher, bereits während meines Engagements in Rostock kennengelernt. Ab 1968 haben wir tausende gemeinsame Abende zusammen gemacht.

Wurde Ihr Programm auch mit Jazz untermalt.

Bause: Das war ganz unterschiedlich. Wenn wir ein Ko nstantin-Wecker-Programm machten, haben wir natürlich eine Wecker-Schallplatte abgespielt. Sellhorn hatte eine riesige Plattensammlung.

Haben Sie über Ihre lange Verbindung zu Lyrik und Prosa auch eine enge Beziehung zum Jazz aufbauen können?

Bause: Das war gar nicht nötig. Ich habe doch jahrelang vorher die berühmte Veranstaltung "Jazz in der Kammer" im Deutschen Theater angesagt. Ich war zwar nur Moderator, hatte jedoch eine wunderbare Gelegenheit, den Jazz ganz nah zu erleben. Das Angebot war großartig, sehr international. Immer zwei Vorstellungen an einem Tag. Das war eine große Sache damals. Aber ich denke, "Jazz Lyrik Prosa" macht dem Publikum heute wieder genau so viel Spaß.

Veranstaltungs-Tipp:

"Jazz Lyrik Prosa"

Freitag, 25. November,

20 Uhr, Capitol Schwerin

Karten: 0385 / 6378 8344

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