zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 22:49 Uhr

Rostock : Das Volkstheater als Sorgenkind?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Mathias Brodkorb: Rostocker Spielstätte hat zu wenig Zuschauer / Dr. Sybille Bachmann fordert Minister auf „Äpfel nicht mit Birnen zu vergleichen“

Wenn die Vorschläge der Landesregierung zur Theaterreform im Osten angenommen werden, gibt es nur noch zwei Theater, die eigenständig bleiben – Rostock und Anklam. Die Hansestadt generiere zu wenig Einnahmen, sagt Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Anklam sei ein Sonderfall.

Nachdem die Theaterreform im Westen und Osten Mecklenburg-Vorpommerns auf den Weg gebracht ist, sieht der Kultusminister das Volkstheater Rostock als größtes Sorgenkind unter den Theatern. „Das Theater steckt seit Jahren in einer Einnahmenkrise“, sagt er. „Es hat die schlechteste Einnahmequote aller Theater im Land.“ Seit Jahren bewege sich die Summe um 1,5 Millionen Euro, nur etwa ein Drittel dessen, was das Staatstheater Schwerin verbuche.

Das Theater in der größten Stadt des Landes habe zuletzt 102 000 Besucher im Jahr gehabt, in Schwerin waren es 185 000, rechnet der Minister vor. Bei vergleichbaren Einnahmen wie in Schwerin wäre jede Debatte über eine Strukturreform in Rostock unnötig, betonte Brodkorb. Seit dem Intendantenwechsel mit Beginn der laufenden Spielzeit 2014/15 seien die Zuschauerzahlen in den ersten drei Monaten um 30 Prozent gesunken, die Einnahmen um 20 Prozent. Brodkorb forderte die Hansestadt Rostock auf, endlich Grundsatzentscheidungen zum Theater zu treffen. Ursprünglichen Plänen zufolge sollte der Neubau des Hauses 2018 fertig sein. „Heute ist noch nicht einmal klar, wo es stehen soll.“

Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 in der Rostocker Bürgerschaft, hält dagegen. Das Volkstheater erwirtschafte in diesem Jahr sogar einen Gewinn und gebe Geld an die Stadt ab. Bachmann fordert den Minister auf, die Hansestadt eher auf ihrem Theaterweg zu unterstützen. „Der Minister will mit aller Macht sein Sparprogramm durchziehen. Rostock macht da bisher nicht mit. Nur deshalb wird Rostock unter Dauerbeschuss genommen, werden Äpfel mit Birnen verglichen, werden Zahlen von drei Monaten zum Ergebnis für die Zukunft suggeriert“, so Bachmann. Auf der Sitzung der Rostocker Bürgerschaft Ende Januar soll es erneut um die künftige Struktur des Volkstheaters gehen. Zunächst war eine Entscheidung über eine mögliche Spartenschließung vertagt worden, da die Auswertung eines Gutachtens fehlte, die hierfür als Grundlage angesehen wird.

Derweil haben sich unter dem Namen Initiative Volkstheater Unterstützer der Bühne zusammengetan. Sie möchte sich für den Erhalt des Volkstheaters mit seinen vier Sparten stark machen. Ob es erneut eine Demonstration wie bereits Anfang November geben wird, ist bislang noch offen.

Neben dem Volkstheater ist die Vorpommersche Landesbühne Anklam das einzige Theater im Land, das eigenständig bleiben wird. Das kleine Haus sei nicht in das Konzept eines Staatstheaters Nordost integriert worden, so Brodkorb. Die Bühne sei eine Mischung aus Theater und Schauspielschule mit einem weitverzweigten Spielstättenbetrieb. Bekannt ist das Theater vor allem durch die Sommerbespielung auf der Insel Usedom. „Wir wollen seine Existenz nicht gefährden“, stellt Minister Brodkorb klar.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen