Das vergessene Museum

<strong>Das Societätsgebäude</strong> in der August-Bebel-Straße 1 soll nach der angedachten Sanierung als zweite Adresse des Kulturhistorischen Museums dienen.
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Das Societätsgebäude in der August-Bebel-Straße 1 soll nach der angedachten Sanierung als zweite Adresse des Kulturhistorischen Museums dienen.

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21. Juni 2012, 10:30 Uhr

Stadtmitte | Jochen Pfeiffer und Wolfgang Werner haben den Selbstversuch gemacht. In der Touristinformation gaben sie sich als Urlauber aus. Fragten nach Museen, vor allem solchen, die sich mit maritimer Geschichte beschäftigen. Das ernüchternde Resultat: Die vom Verein Societät maritim betriebene Ausstellung im ehemaligen Schifffahrtsmuseum wurde nicht genannt oder es hieß, sie sei geschlossen. Vorstandsmitglied Werner ärgert so etwas. Vor allem, weil der Verein so dringend auf die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern angewiesen ist. "Schließlich müssen wir dafür aufkommen, dass das Haus offen und die Ausstellung interessant bleibt", so der gelernte Maschinenbauer.

Touristen werden schlecht informiert

Auf die Idee mit dem Urlauber-Trick kamen Werner und Vorstandsvorsitzender Pfeiffer nicht von ungefähr. "Wir erleben es leider immer wieder, dass Besucher ins Haus kommen und überrascht sind, dass wir geöffnet haben", berichtet Werner. Dabei laden die verschiedenen Ausstellungen unter dem Dach des ehemaligen Schifffahrtsmuseums an sieben Tagen die Woche zum Besuch ein.

So beispielsweise die Doppel-Fotoausstellung "The Good Old Times of Lukang" und "Taiwan Sublime". Eigentlich sollten die Bilder im Rathaus-Foyer gezeigt werden, wie Werner berichtet: "Aber dann hat man uns gefragt, ob wir nicht unsere Räume zur Verfügung stellen." Schließlich ist die Schau sehr umfangreich. Zur Vernissage kam sogar der Generaldirektor der Taipeh Vertretung Hamburg. Von Seiten der Stadtverwaltung ließ sich allerdings niemand blicken. Kultursenatorin Liane Melzer (SPD) sagte kurzfristig ab. Die anderen Vertreter der Rathausspitze blieben wortlos fern, wie das Vorstandsmitglied berichtet. "Das war schon schade", sagt Werner.

Generell wünscht sich die Societät maritim mehr Unterstützung von der Stadt. Denn die Arbeit im Museum wird allein durch Ehrenamtler, Ein-Euro-Jobber und Bürgerarbeiter geleistet. Für große Werbeaktionen fehlt das Geld. "Wenn wir Plakate drucken, dann nicht riesige Farbbilder", so Werner. Die einzige Wahl, die dann fällt, ist: Soll das Papier, das dann durch den Bürodrucker läuft, farbig sein oder nicht? "Manchmal lassen wir einige wenige Flyer drucken", sagt Werner. Aber viel mehr sei nicht drin. Umso mehr ärgert er sich dann, wenn diese Flugblätter in der Touristinformation nicht zu finden sind.

Die Societät maritim hat sich 2006 mit dem Ziel gegründet, die maritime Tradition und Geschichte in Rostock zu pflegen und zugänglich zu machen. Das ehemalige Schifffahrtsmuseum in der August-Bebel-Straße wieder zu öffnen und für den Besucherverkehr zugänglich zu machen, war von Anfang an das Anliegen des Vereins - auch im Sinne der Stadt.

Wie es nach dem Auszug weitergeht, ist ungewiss

Doch mittlerweile ist die Zukunft der Societät ungewiss. Denn die Stadt hat andere Pläne mit dem Gebäude. Im Museumskonzept ist verankert, dass das Kulturhistorische Museum hier einen zweiten Standort erhalten soll. Vermessen wurde das Haus schon. Als Nächstes kommen die Architekten, vermutet Werner. Wann genau der Verein ausziehen muss, weiß Werner nicht: "Vielleicht kommenden Winter, vielleicht auch erst nächstes Jahr - noch haben wir keine genaue Aussage." Vor allem die Lagerung der vielen Schiffsmodelle während der Übergangszeit bereitet dem Vorstandsmitglied noch Kopfschmerzen. Ein großer Teil sind Leihgaben, die abgeholt werden könnten. Andere gehören der Stadt oder auch der Societät. Wie es nach dem Auszug weitergehen soll, dazu gibt es im Verein schon einige Ideen: "Aber noch ist da nichts spruchreif", sagt Werner. Fest steht jedoch: Die Societät soll es auch in Zukunft geben und sie will für Rostock sowie seine Gäste Schifffahrtsgeschichte lebendig halten.

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