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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. August 2017 | 01:35 Uhr

Stadtgeschichte : Das unbekannte Jubiläum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Prof. Willi Kröger hat eine Urkunde vom 3. Juni 1314 gefunden, auf der erstmals der Ort Neuendorf erwähnt wird.

Das Ostseebad Nienhagen hat gerade eine Woche lang sein 750-jähriges Bestehen gefeiert. Lichtenhagen-Dorf bereitet seit gut einem Jahr das gleiche Jubiläum vor. Und Neuendorf? Der Broderstorfer Ortsteil wurde heute vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnt – doch eine Party gibt es nicht. „Wir wollten keinen Festumzug, sondern nur, dass dieses Datum nicht vergessen wird“, sagt Prof. Willi Kröger. Der Neuendorfer hat gut ein halbes Jahr intensiv an der Erstellung einer Chronik für seinen Heimatort gearbeitet und daraus eine Broschüre erstellt. Die soll in Kürze für einen kleinen Obolus an Interessierte verkauft werden.

Das Interesse für die Regionalgeschichte sei bei ihm bereits 2002 geweckt worden, als Broderstorf sein 675-jähriges Dorfjubiläum feierte. Die Neugier trieb den 79-Jährigen auch ins Rostocker Stadtarchiv. Dort entdeckte er die Urkunde eines Kaufvertrages, mit dem Neuendorf von zwei Rittern mit Namen Mörder an Rostocker Kaufleute verpfändet wurde. Ob 1314 wirklich die Geburtsstunde von Neuendorf ist, weiß auch Kröger nicht. Mit der Urkunde hat er aber das älteste bisher bekannte Dokument aufgespürt. „Es war schon ein besonderes Gefühl, dieses Stück Pergament in den Händen zu halten“, sagt er.

Für die Jahre nach der urkundlichen Ersterwähnung sei die Quellenlage zwar dünn, aber die Entwicklung des Ortes seit dem 30-jährigen Krieg konnte der Professor für Röntgendiagnostik und Strahlenheilkunde recht umfangreich nacharbeiten. Geholfen hat dabei unter anderem die Chronik der Familie Baller, deren Vorfahr Philipp Hermann Baller das Rittergut Neuendorf im Jahr 1891 mit 442 Hektar und einer Schmiede für rund 550 000 Goldmark erwarb. „In der Chronik wird auch erklärt, wieso es in Pastow eine Straße namens Hof Baller gibt“, so Kröger. Immer wieder sei er bei der Erstellung der Chronik auf Nachkommen früherer Besitzer des Gutes Neuendorf gestoßen, die noch heute in der Gegend leben. Wurde doch das Gut aufgeteilt und nach dem Krieg an etwa 40 frühere Angestellte sowie Flüchtlinge veräußert. Die Urkunde eines solchen Verkaufes hat Kröger in seinem Besitz – das wertvollste Exemplar. Wenn die Neuendorfer Chronik demnächst verkauft wird, hören für ihn die Nachforschungen aber nicht auf. „Im Zuge der Recherchen habe ich herausgefunden, dass Roggentin noch mal 100 Jahre älter ist als Neuendorf. Und darüber ist kaum etwas bekannt“, sagt er. Ein Zustand, den Kröger vielleicht ändern wird.

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erstellt am 03.Jun.2014 | 10:00 Uhr

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