Das Tourismuskonzept eckt an

<strong>Für ihren  Familienurlaub</strong> können sich Hedda und Gunter Sichtig aus Berlin und Enkelin Julie (6) keinen besseren Ort an der Ostsee vorstellen. Hier gibt es immer was zu sehen -  Schiffe, Segler, die Robbenstation und  viele Angebote für Kinder in Rostock und Umgebung. <foto>Georg Scharnweber</foto>
Für ihren Familienurlaub können sich Hedda und Gunter Sichtig aus Berlin und Enkelin Julie (6) keinen besseren Ort an der Ostsee vorstellen. Hier gibt es immer was zu sehen - Schiffe, Segler, die Robbenstation und viele Angebote für Kinder in Rostock und Umgebung. Georg Scharnweber

svz.de von
16. Juli 2012, 08:28 Uhr

Rostock | Mehr als 200 Seiten stark ist das Rostocker Tourismuskonzept, das die Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde (TZRW) jetzt vorgelegt und die Bürgerschaft beschlossen hat. Wie genau es danach in den kommenden zehn Jahren mit dem Tourismus in der Hansestadt und ihrem Seebad weitergehen soll, ist jedoch den wenigsten klar. Deutlich wurde das erneut bei der Vorstellung des Konzeptes im Agenda-21-Rat.

"Für mich ist das Papier eine gute Zustandsbeschreibung. Aber welche Visionen dahinterstecken, bleibt weiter unklar", sagt Simone Briese-Finke, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bürgerschaft. Im Konzept ist von drei so genannten touristischen Aktionsräumen die Rede, die durch die Warnow verbunden sind - Stadtzentrum, Warnemünde und die Rostocker Heide. "Leider wird das verbindende Element Warnow später nie wieder aufgegriffen", so Briese-Finke. "Gleiches gilt für die Ideen zum Radtourismus." Auch für andere Mitglieder des Agenda-Rates und Gäste blieben Fragen offen. "Warum ist überhaupt nicht untersucht worden, auf welchem Weg die Touristen nach Rostock kommen", wollte Nico Falke vom Verkehrsverbund Warnow wissen. Und Ulrike Jahnel (CDU) forderte konkrete Ideen dazu, wie sich die Qualität von Großereignissen steigern lässt.

Bemängelt: zu schwammig und kaum visionär

"Konkrete, fertige Lösungen waren allerdings gar nicht der Ansatz", sagt Matthias Fromm, Leiter des städtischen Eigenbetriebs TZRW. "Das Konzept bietet eine erste ganzheitliche Draufsicht. Jetzt kommt es darauf an, dass wir gemeinsam mit Hoteliers, Gastronomen, dem Einzelhandel und der Politik die konkreten Handlungsempfehlungen entwickeln." Genau das hätten aber Kritiker schon von der Agentur Dwif, die das Konzept erstellt hat, erwartet.

"Das Problem ist, dass ein Teil der Arbeit jetzt an Rostock hängen bleibt", sagt Anke Knitter, die für die SPD im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus sitzt und die das Konzept in der Bürgerschaft ablehnte. Auch sie vermisst eine klare Zielrichtung und Schwerpunkte - etwa bei der Antwort auf die Frage, wie Rostock ganzjährig attraktiver werden kann. Weiterer Kritikpunkt: Wichtige Bereiche wie der Gesundheitstourismus oder Barrierefreiheit seien überhaupt erst nach Aufforderung der Bürgerschaft in das Papier gelangt.

Die TZRW hatte die Berliner Agentur Anfang 2011 mit der Erstellung des Konzepts beauftragt. 70 000 Euro kostete die Untersuchung. Fromm selbst ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden. "Für uns ist nun klar, welche Themenbereiche wir stärker entwickeln müssen", sagt er und verweist auf die fünf Bausteine Maritimer Tourismus, Tagungs- und Kongressmarketing, Gesundheits- und Wellnesstourismus, Kulturreisen sowie die Kombination aus Stadt und Natur. Die Zielgruppen, auf die Rostock dabei setzt, sind junge Familien, lifestyle-orientierte junge Leute, aktive Paare und traditionsbewusste Ältere.

Um das herauszufinden, hätte Rostock keine externe Agentur beauftragen müssen, meint Iris Wiegand. Die selbstständige Rostocker Tourismusexpertin verfolgte als Gast die Diskussion im Agenda-Rat. "Ich hoffe, dass bei der Umsetzung in konkrete Schritte die lokale und regionale Kompetenz genutzt wird." Die Universität, die Akademie für Wirtschaft und Sprachen (EWS) oder das Baltic College in Schwerin mit seinem Schwerpunkt auf Tourismus könnten kompetente Partner sein.

Fromm will für die anstehenden Aufgaben Projektgruppen aus der Rostocker Verwaltung, Wirtschaft und Kultur an seinen Tisch holen. "Dann müssen wir - je nach der Priorität, die die Untersuchung vorgibt - loslegen." Erste Schritte seien eine Qualitätsoffensive im Beherbergungsgewerbe, die Pflege des maritimen Flairs oder ein verbesserter Internetauftritt. Langfristig müsse auch an der besseren Verbindung von Warnemünde und der Innenstadt gearbeitet werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen