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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 19:53 Uhr

Landkreis Rostock : Das Soja des Nordens

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Auf manchen Feldern blüht die Blaue Lupine / Eiweiß aus der Pflanze soll Sojaimporte ablösen

Friedhelm Thiel freut sich über die Farbenvielfalt auf seinem Acker mit Blauen Lupinen in Hohen Schwarfs. Von dunkelblau bis zartlila ist alles dabei. Der Geschäftsführer der Landwirtschafts GmbH Petschow ist überzeugter Lupinen-Anbauer. „Wir brauchen die Eiweißpflanze als Futter für unsere Rinder. Zudem sammelt sie Stickstoff im Boden. Wir sparen also teuren chemischen Dünger für die Nachfolgekulturen“, sagt der Landwirt. Damit könne man „mehrere Fliegen mit einer Klappe“ schlagen.

Angesichts der sogenannten Greening-Maßnahmen der EU, die die Landwirte zu mehr Vielfalt auf dem Acker verpflichten, und der neuen Düngemittelverordnung – damit soll weniger Chemie auf die Böden kommen – sieht sich Thiel mit seinen 34 Hektar Blauer Lupine gut aufgestellt. Lange Zeit war die Eiweißpflanze für den kommerziellen Anbau gar nicht zugelassen. Die enthaltenen Bitterstoffe machten eine Nutzung für Mensch und Tier praktisch unmöglich. Erst 1997 gelang es, blaue Süßlupinensorten auf den Markt zu bringen, die allen Ansprüchen genügen – wenig Bitterstoffe, hohes Ertragspotenzial, geringe Frostempfindlichkeit.

Dennoch bauen nur wenige Landwirte Lupinen an, die Mehrheit setzt nach wie vor auf Getreide, Mais und Raps. Selbst Prämien und die Förderung vielfältiger Fruchtfolgen konnten dem nichts anhaben. In der Folge fiel in Deutschland der Eiweißpflanzenanbau 2011 erstmals unter die 100 000-Hektar-Marke, zwei Drittel weniger als 1998.

Das bewog Pflanzenzüchter, Bauernverband und die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen, eine gemeinsame Eiweißstrategie auf den Weg zu bringen. Im Bundeslandwirtschaftsministerium wurde ein Programm erstellt. Wenig später band sich MV mit 28 Projektpartnern und einem Netzwerk in die Bundesstrategie ein. „Im Ergebnis ist die Zahl der Anbaubetriebe in diesem Jahr deutlich gestiegen“, sagt Agrarminister Till Backhaus (SPD).

„Mehr eigener Anbau von Blauer Lupine – umso weniger Zukauf von Sojaschrot aus dem Ausland für unsere Tierbestände. Das bringt mehr Sicherheit in den Stall und spart Geld“, so Wilfried Lenschow, Chef der Agrargenossenschaft Bartelshagen I. Und auch Thorsten Junge in Broderstorf setzt auf den Lupinen-Anbau innerhalb einer ausgewogenen Fruchtfolge. Insgesamt blühen Lupinen in diesen Tagen auf gut 14 000 Hektar in MV und Brandenburg.

„Wir sind gut dabei“, sagt Landwirt Thiel und zählt die Körner in den ersten Schoten. Vier bis fünf sind es im Durchschnitt. Gern hätte er sechs bis sieben, um seinen Durchschnittsertrag von gut 30 Dezitonnen je Hektar auf fast 40 steigern zu können. „Da ist einmal mehr die Züchtung gefragt.“ Auch würde er gern ein paar Tonnen der Prolupin GmbH in Grimmen anbieten. Die 2014 mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnete Firma setzt in einem europaweit einzigartigen Verfahren darauf, Eiweißstoffe aus der Blauen Lupine als Alternative zu tierischem Eiweiß bei der Lebensmittelherstellung zu gewinnen.

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