zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. November 2017 | 03:20 Uhr

Rostock : Das Recht des Stärkeren?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Radfahrer weichen auf die Gehwege aus / Fußgänger ziehen oft den Kürzeren / Stadtvertreter sehen ein schwer zu lösendes Problem darin

Dass die Situation für die Fahrradfahrer in Rostock nicht gut ist, bemängelt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub schon lange. Doch zunehmend werden nun auch Fußgänger davon in Mitleidenschaft gezogen, weil die Radfahrer auf Gehwege ausweichen. Simone Zeeb ist so eine Fußgängerin. Ihr kleiner Sohn wurde auf dem Gehweg an der Parkstraße von einem Radfahrer, der mit zwei Kindern unterwegs war, angefahren. Die Pedale drückte sich in den Bauch des zweieinhalbjährigen Noah. Er stürzte. Der Radfahrer fuhr weiter – Unfallflucht. Sie erstattete Anzeige.

Doch das Grundproblem löst das nicht. Die junge Mutter wünscht sich, ihre Kinder auf Gehwegen wieder in Sicherheit zu wissen, „dass sich Radfahrer rücksichtsvoll benehmen und nach Möglichkeit nicht unerlaubt auf die Gehwege fahren“. Doch was kann sie tun? Das fragte sich Simone Zeeb und nahm das Problem in die Hand. Sie sprach Polizisten vor Ort an. „Sie reagieren nicht, wenn Fahrradfahrer auf dem Gehweg fahren“, sagt sie. „Das ist für mich Desinteresse.“ Angesprochen auf den Grund dafür, hätten sie ihr Personalmangel oder zu geringes Bußgeld für eine Kontrolle genannt.

Ob es diese für sie mehr als unverständlichen Aussagen gab, kann Polizeisprecherin Yvonne Hanske nicht prüfen. Die Polizisten seien aber, sagt sie, angehalten, auf Streife die Augen offen zu halten. Und das gelte für den Auto- wie für den Rad- und Fußgängerverkehr. Erlaubt ist das Fahren auf Gehwegen nur Kindern. „Bis acht Jahre alte Kinder müssen auf dem Gehweg fahren, bis Zehnjährige dürfen es“, sagt Hanske. Für ihre Begleitpersonen gelte das nicht, was die Situation in der Praxis kompliziert mache.

Fährt ein Erwachsener auf einem Gehweg, kann das mit einem Bußgeld von zehn Euro sanktioniert werden. Gefährdet er andere, wird es teurer. Die Gelder gehen aber eben nicht der Polizei zu, sondern der Landeskasse. Auch gezielte Kontrollen führe die Polizei durch, vor allem, wenn Anregungen von Anwohnern für eine besonders betroffene Straße kommen, so die Sprecherin. Regelmäßige Fahrradkontrollen gibt es besonders auf der Promenade in Warnemünde und in der Kröpeliner Straße. Deren Wirkung, befindet Simone Zeep, verpuffe aber aufgrund der Seltenheit und Folgenlosigkeit. Das schrieb sie auch Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Der sieht in ihrem Anliegen „ein bekanntes, aber schwer zu lösendes Problem“ und gab die Anregung ins Stadtamt. Einen Ansatz sieht der Senator in Kampagnen zur Aufklärung. Eine solche werde im Amt vorbereitet.

Parallel wandte sich die Mutter an den Mobilitätskoordinator der Stadt, Steffen Nozon. Er will versuchen, einen öffentlichen Kontrolltermin zu organisieren. Er sieht im Problem der Rücksichtslosigkeit aber insbesondere eine „charakterliche und soziale Komponente“, die schwer zu beeinflussen sei. Ähnlich sieht es auch Andera Krönert (Grüne) vom Ortsbeirat der KTV. „Es kann nicht sein, dass das Recht des Stärkeren durchgesetzt wird“, sagt sie, weder auf der Straße, noch auf Rad- oder Gehwegen. Auch der Ortsbeirat will sich des Themas annehmen, denn das Anliegen sei bei Weitem kein Einzelfall.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen