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18. November 2017 | 09:38 Uhr

Das Meer ist sein Arbeitsplatz

vom

svz.de von
erstellt am 05.Feb.2013 | 09:59 Uhr

Warnemünde | Für die meisten Menschen ist die Ostseeküste ein schönes Urlaubsziel. Für David Meyer ist sie der Arbeitsplatz. Der 29-Jährige ist Doktorand am Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Sein Forschungsbereich ist die Meereschemie. In den vergangenen Jahren war er oft auf hoher See unterwegs, um sich Wasserproben zu besorgen und zu messen. "Es fasziniert mich, dass man nicht nur im Labor oder Büro sitzt, sondern auch raus muss", sagt er.

Meyer entwickelt und testet In-situ-Sensoren. Mit diesen misst er für seine Doktorarbeit unter anderem den Gehalt von Eisen II im Ostseewasser. Die Sensoren gelten als besonders fortschrittlich, da sie die Messungen direkt vor Ort vornehmen können. Und das funktioniert so: Der Sensor wird in das Meerwasser getaucht, das durch einen Pumpmechanismus in sein Inneres gelangt. Ein Nachweisreagenz sorgt dann dafür, dass sich Farbkomplexe bilden, sobald Eisen II vorhanden ist. "Normalerweise wird die genommene Wasserprobe erst im Institut gemessen", erklärt Meyer. Im Falle von Eisen II sei das jedoch schwierig, da das Element an der Luft oxidiert und die Messung so ihre Genauigkeit verliert. "Mit den Sensoren vermindern wir das Risiko, verfälschte Ergebnisse zu bekommen", so Meyer.

Schneller arbeiten und dabei Kosten sparen

Auf lange Sicht sollen die Analysen der Messgeräte genauso exakt sein wie die der Laborgeräte. Meyer ist überzeugt davon: "Es geht schneller, kostet weniger Geld und sowohl die räumliche als auch die zeitliche Auflösung der gewonnenen Daten ist höher."

Während seiner Promotionszeit hatte der junge Wissenschaftler die Möglichkeit, Konferenzen in den USA, Russland und England zu besuchen. Ein weiterer Grund, warum ihm sein Job so gut gefällt: "Ich bin viel herumgekommen und konnte mich so mit vielen Leuten austauschen. Das hat mir schon sehr viel Spaß gemacht." In Gesprächen mit seinen internationalen Kollegen habe er auch mitbekommen, dass die Arbeit mit Sensoren immer mehr zunimmt. "Ich würde gern daran teilhaben, dies voranzutreiben", so Meyer.

Seine Leidenschaft für Naturwissenschaften entwickelte der der 29-Jährige bereits in der Schulzeit. "Ich fand es schon damals am interessantesten, mir die Welt durch die Naturwissenschaften zu erklären", sagt er. Nach Abitur und Wehrdienst zog er nach Berlin und machte an der Freien Universität den Bachelor-Abschluss. Der Umzug nach Rostock im Jahr 2007 war eher ein Zufall, wie er erzählt. "Ich hatte gerade mein Grundstudium fertig, als meine Freundin hier an der Uni angenommen wurde. Da habe ich einfach geschaut, was die Chemie in Rostock zu bieten hat, und habe festgestellt, dass es viel toller war, das Hauptstudium hier zu machen." Besonders gereizt hat ihn die Umweltchemie: Während die Berliner Universität in dieser Hinsicht nicht so viel zu bieten hatte, konnte Meyer in Rostock sogar seinen Studienschwerpunkt auf diesen Bereich legen.

Auf das IOW aufmerksam wurde er, weil Professoren des Institutes in seinem Studiengang Vorlesungen zum Thema Meeresforschung gehalten hatten. Auf das Angebot, sich die Sache näher anzuschauen, ging er sofort ein. "Ich bin mehr oder weniger einfach am Institut aufgekreuzt und habe ein Praktikum gemacht." Dort kam der Doktorand das erste Mal mit Sensoren in Berührung, da er die Daten eines Nitratsensors auswerten sollte. Später hat er die Arbeit seines Chefs unterstützt. "Er hatte schon in England angefangen, einen Sensor zur Messung von Eisen und Mangan zu bauen. Ich bin in die Entwicklung eingestiegen und habe den von ihm angefangenen dann weiterentwickelt." Daraus entstand eine enge Zusammenarbeit und die Chance für David Meyer, seine Diplomarbeit am IOW zu schreiben. Seitdem ist er ein fester Mitarbeiter in der Sektion der Meereschemie.

Wie es nach seiner Promotion für Meyer weitergeht, steht noch nicht fest. Er könne sich aber durchaus vorstellen, der Meereschemie treu zu bleiben. Auch Rostock würde er gerne treu bleiben. "Ich würde die Ostsee gerne weiter untersuchen. Ich kenne mich hier sehr gut aus und fühle mich privat wie dienstlich sehr wohl."

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