zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Oktober 2017 | 06:02 Uhr

Glückwunsch : Das Lächeln des 100-Jährigen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hermann Schippmann ist in hohem Alter noch wohlauf. Bis heute repariert er Schuhe. Seinen Geburtstag feierte er mit Verwandten, Freunden und Kunden.

svz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Hermann Schippmann ist ein Mann mit Geschichte – und mit Geschichten, wie sie sonst in Büchern zu finden sind.  Der Rostocker wurde noch zu Zeiten des Kaiserreichs geboren, lernte Schuster bei seinem Vater in der Doberaner Straße, wurde zum Wehrdienst eingezogen und 1939 in den Krieg geschickt. Sein Handwerk war sein Glück: Zu Kriegszeiten reparierte er nahe den Schauplätzen eher die Stiefel der Soldaten, als dass er aufs Feld geschickt wurde. Mit dem Ende des Krieges  kehrte  so auch Hermann Schippmann wieder zurück – in das Haus, das sein Vater 1905 gekauft hatte, zu seinem Handwerk, seiner Leidenschaft. Er heiratete Lotte, die er schon aus Kindheitstagen kannte und bekam mit ihr einen Sohn, dem heute in der dritten Generation das Haus gehört.

Heute ist Hermann Schippmann 100 Jahre alt, gestern hatte er Geburtstag. Für ihn war es wirklich ein besonderer Tag – den er ganz bewusst erleben konnte. Er hatte sogar die Tage bis dahin gezählt. „Ich bin froh, dass es mir noch so gut geht“, sagt er. Und das waren auch seine Gäste, die gestern in Scharen in die Doberaner Straße kamen.

Unter ihnen waren nebst seinen Verwandten auch die Ortsbeiratsvorsitzende der KTV, ein Vertreter der Niederdeutschen Bühne und auch alte Kollegen von der ehemaligen Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH). Der Schuster hatte sie in den 60er-Jahren mit aufgebaut, dort selbst bis zu seiner Rente gearbeitet.

Zu Besuch kamen gestern auch Dr. Christine Wolk, die Leiterin der Borwinschule, und drei ihrer Schüler.  Hermann Schippmann ist der älteste Schüler der Borwinschule. Zum Geburtstag schenkten ihm die Jugendlichen noch einen Platz in ihrer Schulgalerie und ein getöpfertes Eichenblatt, das  an ihrem symbolischen Schulbaum hängen wird. „Ich finde es bewundernswert, dass er noch so gut drauf ist“, sagt die 14-jährige Vivian Becker. Sie sang dem musikalischen Mann, der bis heute Harmonium spielt,  ein Geburtstagsständchen.

Allein die Vorstellung, irgendwann selbst im Alter von 100 Jahren mit einem Schüler zu sprechen, überwältigt den heute 17-jährigen Hardy Eichhoff. Er findet es beeindruckend, dass Hermann Schippmann in Anbetracht der Zeiten von Krieg und Hunger, die er durchlebt hat, so alt geworden ist. „Man kann sich schwer vorstellen, wie es früher  in der Schule war“, sagt Christine Wolk. Dass Hermann Schippmann davon erzählen kann, sei „lebendige Geschichte“, die die Schule in Ehren hält. Sie  werden nächstes Jahr wiederkommen – zum 101. Geburtstag, sagt der 17-jährige Henry Rost – ganz zur Freude von Hermann Schippmann. Er liebt die Gespräche mit den Leuten, gerade auch mit den jungen, sagt seine gute Freundin Heidemarie Schumacher. Sie kennt ihn seit Jahren. Sie sind zusammen in der Seniorengruppe der Geschichtswerkstatt. Hermann Schippmann nimmt noch daran teil.

Auch abgesehen davon hat der Jubilar gut zu tun. „Ich bin froh, dass ich noch so gut laufen kann“, sagt er, obwohl die Muskeln in den Beinen schwächer würden. Er würde lieber noch zwei Stufen mit einem Schritt nehmen können, scherzt sein Sohn Horst. Die Treppen im Haus sind für Hermann Schippmann wichtig, führen sie doch in den Garten zu seiner grünen Laube, zu der alten Maschine, die sein Vater als erste 1908 anschaffte. Noch bis heute repariert Hermann Schippmann damit Schuhe seiner Kunden. „Er macht das so gut“, sagt Joksiene Rima. Es sei wirkliche Qualitätsarbeit, schwärmt die Kundin. Hermann Schippmann schätzt ihren lieben Besuch. Er kommt gut zurecht, auch in seiner Wohnung, macht sich noch selbst Frühstück und Abendbrot. „Er lässt sich ungern etwas abnehmen“, sagt  der Sohn, das sei vielleicht auch sein Geheimnis für das hohe Alter – immer zu tun zu haben. „Du überrundest noch Johannes Heesters“, sagt eine Freundin. Hermann Schippmann lacht. Das wäre ein Ziel, findet er.

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen