Rostocker Lebensretter : "Das ist für mich selbstverständlich"

<fettakgl>Rico Kröpelin  steckt </fettakgl> mitten in der  Ausbildung zum Bundespolizisten. <foto>georg scharnweber</foto>
Rico Kröpelin steckt mitten in der Ausbildung zum Bundespolizisten. georg scharnweber

Nach nur zweieinhalb Wochen im Ausbildungspraktikum bei der Bundespolizei rettet Rico Kröpelin einem Rostocker Suizidgefährdeten das Leben. Auf den Gleisen in Lütten Klein wollter er in den Tod springen.

svz.de von
11. Juli 2012, 10:41 Uhr

Rostock | Es ist 1.53 Uhr in der Nacht, als der Alarm kommt: Auf den Gleisen in Lütten Klein läuft ein potenzieller Selbstmörder. Am Telefon droht der 23-Jährige damit, sich vor einen Zug zu werfen - ein Fall für die Bundespolizei. Rico Kröpelin, der mitten im zweiten Ausbildungsjahr steckt, und sein Kollege fahren gerade Streife am Hauptbahnhof, als sie die Meldung am vergangenen Sonntag erreicht. Sofort drehen sie ab, sind die ersten vor Ort. Doch von dem 23-Jährigen finden sie in Lütten Klein keine Spur mehr. Unterstützt von Beamten der Landespolizei beginnen Kröpelin und sein Partner die Suche. "Etwa 150 Meter nach dem Haltepunkt Evershagen kam die Person aus dem Gebüsch gesprungen", sagt er. Viel mehr können die beiden nicht erkennen - "es war stockduster."

Die Last fällt erst in der Klinik ab

Dennoch verlieren sie den Mann nicht mehr aus den Augen, beobachten, wie er auf einen Strommast klettert. Er droht damit, zu springen, falls die Beamten ihn nicht in Ruhe lassen. Etwas später hat er es sich anders überlegt, verlangt nach Kröpelin. Für den beginnt damit die wohl größte Herausforderung seiner noch kurzen Polizeilaufbahn: Der ebenfalls 23-Jährige absolviert gerade sein Ausbildungspraktikum in Rostock, ist erst seit zweieinhalb Wochen auf der Straße. Bislang hat er es hauptsächlich mit gewöhnlichen Personenkontrollen in Zügen und auf Bahnhöfen zu tun bekommen. Jetzt muss er einen verzweifelten Mann davon abhalten, zu springen.

"Ich konnte ein kommunikatives und persönliches Gespräch aufbauen", sagt Kröpelin. Trotz des großen Drucks auf seinen Schultern habe er sich dabei recht sattelfest gefühlt, auch dank seiner Ausbildung in Neustrelitz: "Wir hatten mehrere Stunden Psychologie und Verhaltenstraining. Man muss einfühlsam sein und sich in die Lage der Menschen versetzen können", sagt er. Als der Mann ausgerechnet nach ihm verlangte, habe er keinen Augenblick gezögert. Innerhalb von 15 Minuten gelang es ihm, dem Suizidgefährdeten sein Vorhaben auszureden. "Auf Wunsch der Person habe ich sie auch noch im Krankenwagen begleitet", sagt der Lebensretter. Die ganze Last sei aber erst von ihm abgefallen, als er den Mann in den Händen der Ärzte von der Universitätsnervenklinik zurücklassen konnte. "Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen."

Dennoch habe er das Erlebnis bereits gut verdaut. "Ich konnte es verarbeiten", sagt Kröpelin. Dabei geholfen habe auch der positive Ausgang. Im anderen Fall hätte er den Rat von speziell ausgebildeten Psychologen in Anspruch nehmen können. Das bleibt ihm nun aber erspart. Stattdessen schaltet Kröpelin gerne beim Sport ab, geht Laufen und macht Krafttraining. "Auch die Familie ist ein großer Rückhalt für mich." Sie sei zudem ein wichtiger Grund dafür, dass der gebürtige Rostocker sein Praktikum unbedingt in der Hansestadt absolvieren wollte. Nach seinem Abschluss könnte es ihn dann allerdings in jeden Winkel der Republik verschlagen - obwohl Rostock sein Favorit bleibt.

Vom Traumjob Polizist rückt er trotz des Umzugsrisikos nicht ab. "Das war schon immer mein großes Ziel", so Kröpelin. Als die Bundespolizei nach dem Abitur seine Bewerbung angenommen habe, gab es daher kein Halten mehr. "Die Arbeit ist vielfältig und spannend - selbst als Auszubildender erlebt man einiges." Da sei auch der kräftezehrende Schichtdienst zu verschmerzen. Zumal die Rostocker Kollegen ihn sehr freundlich aufgenommen hätten: "Sie sind sehr erfahren und erklären mir viel." Die Praxis sei eben ganz anders als die Theorie. In Rostock darf Kröpelin sich im Bereich Bahn austesten. Die Zuständigkeit reicht bis nach Wismar und Schwerin. Seine Kollegen sind darüber hinaus für die Bereiche Grenze, Verband und Luftsicherheit zuständig. "Wir wollen den Bürgern das gewohnte Sicherheitsgefühl geben", so Kröpelin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen