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Seniorenwohnanlage in Evershagen : Das Heim hilft gegen Einsamkeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

DRK-Seniorenwohnanlage Evershagen feiert 40-jähriges Bestehen und prägt nicht nur den Stadtteil, sondern auch die Bewohner

Das Wartehäuschen ist überdacht, die Sitzbank bequem. Doch der Bus wird nicht kommen, trotz ausgehängtem Fahrplan. Denn die Haltestelle steht im Innenhof der DRK-Seniorenwohnanlage in Evershagen. „Wir machen uns damit nicht lustig über die Bewohner oder nehmen sie nicht ernst, ganz im Gegenteil“, sagt Pflegedienstleiterin Britta von Cyrson. Besonders für die Bewohner der zwei Demenz-Stationen sei die Haltestelle wie ein Ventil – um ihrem Drang auch wirklich folgen zu können, wenn sie das Gefühl packt, in ihr altes Leben zurückreisen zu müssen.

Bewohner dürfen die Möbel aussuchen

Das DRK-Heim geht bei der Betreuung besondere Wege. Und das seit mittlerweile vier Jahrzehnten. „Wir hatten in der Vergangenheit deshalb oft eine Vorreiterrolle, sei es bei der Form des Gebäudes oder bei der computergestützten Dokumentation der Pflege“, so Britta von Cyrson.

Sie ist selbst seit 33 Jahren am Standort tätig und hat deshalb auch die größte Sanierung des Pflegeheims im Jahr 1992 mitgemacht, als ein Bettenhaus abgerissen und neu gebaut und das andere kernsaniert wurde. Vom alten Zustand zeugt noch ein großes Farbfoto, das gerahmt vor den Büros der Pflegedienstleitung hängt.

„Wir sind damals an einem Tag mit 204 Bewohnern umgezogen. Das war eine echte logistische Meisterleistung, denn wir haben gemütlich nach dem Frühstück begonnen und zum Mittagessen saßen dann alle wieder an ihren gewohnten Tischen – nur diesmal im Ausweichquartier in der Südstadt“, erinnert sich die Pflegedienstleiterin. Für die Bewohner hätten sich durch den Umzug auch ganz besondere Mitspracherechte ergeben. „Sie durften damals – natürlich im Rahmen des Budgets – die Möbel nicht nur testen, sondern auch aussuchen. Das galt auch für das Geschirr und ging bis hin zur Bettwäsche“, erinnert sich Thomas Strobach, Abteilungsleiter für stationäre und ambulante Pflege.

Nach der Wieder-Einweihung hat sich die Platzzahl des Heims von 448 auf 168 verringert – die Entflechtung großer Standorte sei damals eine Vorgabe gewesen. Besonders anerkannt sei die Seniorenwohnanlage auch für den Umgang mit Demenzkranken. „Wir haben 1985 die erste eigene Station dafür eingeführt“, erinnert sich Britta von Cyrson. Das hätte aber nicht bedeutet, dass die Bewohner von den anderen separiert wurden. „Bei unseren Programmpunkten sind immer alle dabei, vom traditionellen großen Weihnachtsmarkt bis zur regelmäßigen Ergotherapie“, sagt die engagierte Chefin.

Wohlfühlen im letzten Zuhause

Mathias Dobberkau ist einer der beiden Ergotherapeuten des Heims. Mit lauter, aber freundlicher Stimme animiert er die Männer und Frauen in der Runde, beim Fühlspiel ihren Tastsinn zu schärfen. Es gilt, Gegenstände in einer abgedeckten Box zu ertasten. „Wir holen die Bewohner auf dem Stand ab, auf dem sie sind“, so Dobberkau. „Der Mensch will tätig sein. Und wenn er das nicht mehr kann, ist er auch in der Persönlichkeit beeinträchtigt“, sagt der Therapeut, der genau an diesem Punkt ansetzt. „Wir geben den Bewohnern Kompetenzen zurück – und damit auch Lebensqualität“, so Dobberkau.

Um Beschäftigung geht es auch Ursula Sachs. Die 87-Jährige lebt in einem Einzelzimmer und hilft aus freien Stücken sogar beim Küchendienst mit. „Außerdem backe ich gerne für die anderen“, sagt die Vorsitzende des Bewohnerbeirates. In der gestern gestarteten Festwoche zum 40-jährigen Bestehen des Heims ist sogar ein Vormittag für ein gemeinsames Backen in großer Runde vorgesehen. „Da mache ich Obstkuchen mit Kirschen, Streuseln und weichem Boden, den alle gut kauen können“, erzählt Ursula Sachs und ihre Augen leuchten.

In der Evershäger Seniorenwohnanlage fühlt sie sich sehr wohl. „Es ist super, dass es solche Einrichtungen gibt – das hilft gegen die Einsamkeit und es ist schließlich das letzte Zuhause“, sagt die Seniorin.

Zahlen und Fakten zum Seniorenheim

  • Eröffnung: Im März 1976 nach zwei Jahren Bauzeit mit 448 Bewohnern als Feierabend- und Pflegeheim der Stadt Rostock
  • Übernahme: 1992 wurde das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Träger der Einrichtung.
  • Sanierung: Auch dank eines Bundesförderprogramms wurde 1992 massiv am Standort investiert. Erst wurde ein Teil des hinteren Bettenhauses leergezogen – 120 Bewohner wurden zwischenzeitlich im Lehrlingswohnheim des Elbhotels betreut, das zum Pflegeheim umgebaut wurde. Nach dem Abriss des hinteren Gebäudes wurde der Neubau am 1. Januar 2003 eröffnet. Das vordere Bettenhaus ist noch alter Bestand, wurde aber komplett entkernt und saniert. Parallel dazu wurde der große alte Speisesaal abgerissen. Der gesamte neue Komplex wurde dann am 17. Dezember 2005 feierlich eingeweiht.
  • Belegung: aktuell 168 Plätze, verteilt auf 72 Einzel- und
  • 48 Doppelzimmer. Dazu kommen 15 Plätze in der Fachpflegeeinrichtung für Menschen im Wachkoma. 
  • Ausstattung: Zum Komplex gehören auch 22 Wohnungen für betreutes Wohnen, eine Seniorenbegegnungsstätte, der ambulante Pflegedienst des DRK für Evershagen, Café, Friseur und ein um 100 Quadratmeter erweiterter Veranstaltungssaal.
  • Mitarbeiter: aktuell 115, davon 96 in der Pflege und Betreuung. 25 davon sind bereits länger als 25 Jahre im Haus tätig, mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ist länger als zehn Jahre dabei.
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erstellt am 12.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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