Gesund in Rostock : Das Glück kam im Unglück

Kein Platz fürs Nervenwasser: Oberarzt Dr. Maximilian Reinhold zeigt, wo die Verengung bei der Patientin Hannelore Rohloff Probleme ausgelöst hat.  Fotos: georg scharnweber
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Kein Platz fürs Nervenwasser: Oberarzt Dr. Maximilian Reinhold zeigt, wo die Verengung bei der Patientin Hannelore Rohloff Probleme ausgelöst hat. Fotos: georg scharnweber

Plötzlich gelähmt: Hannelore Rohloffs Horrorvision wurde kurzzeitig Realität / Oberarzt Dr. Maximilian Reinhold konnte ihr helfen

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20. August 2015, 15:30 Uhr

Sie kam mit einem gebrochenen Mittelfußknochen und ging mit einer Halskrause – Hannelore Rohloff aus Rostock wurde am 26. Juni ins Klinikum Südstadt eingeliefert. „Ich war zu Hause über eine Türschwelle gestolpert und hatte mir eine Fraktur zugezogen“, erzählt sie. Der Bruch wurde behandelt. Rohloff sollte sich schonen. „Wenn ich zur Toilette wollte, sollte ich eine Schwester rufen. Aber es ging mir schnell besser und ich dachte, ich bräuchte keine Hilfe.“ Doch dann wurde die 60-Jährige im Bad ohnmächtig. „Als ich aufwachte, konnte ich mich nicht mehr bewegen. Ich war wie gelähmt.“ Ein Schockmoment für die Rostockerin. Durch den Sturz hatte sie sich den Schädel geprellt und eine Zerrung der Halswirbelsäule zugezogen. Ihr Rückenmark hatte Schaden genommen und eine akute Lähmung der Arme und Beine verursacht. „Wenn die Schwellung des Rückenmarks nicht zurückgegangen wäre, hätte ich querschnittsgelähmt bleiben können“, sagt Rohloff.

„Die Patientin hatte starke degenerative Veränderungen der Bandscheiben im Bereich der Halswirbelsäule und einen angeborenen engen Spinalkanal“, erklärt Oberarzt Dr. Maximilian Reinhold. „Unmittelbar nach dem Sturz haben wir eine Computertomografie des Schädels und der Halswirbelsäule veranlasst, um eine Blutung, Fraktur oder Luxation ausschließen zu können und danach mit der medikamentösen Behandlung begonnen“, ergänzt der Wirbelsäulenchirurg. Weil die Engstellung ohne chirurgisches Zutun jedoch bleibe, hätte der Mediziner Hannelore Rohloff eine Operation empfohlen. „Ich hatte große Angst, aber keine Alternative. Die Verengung ist durch Medikamente oder gymnastische Übungen nicht zu verbessern. Ich kann mir nicht vorstellen, mich nicht mehr bewegen zu können. Das wäre für mich kein Leben mehr“, beteuert die Patientin. Mit einer so genannten Open-Door-Laminoplastie konnte Rohloffs Spinalkanal erweitert und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule gleichzeitig erhalten werden. Dabei wurden drei Wirbelbögen im Bereich der Engstelle einseitig durchtrennt, aufgeklappt und anschließend wieder befestigt, erläutert Oberarzt Reinhold. „Der individuelle Durchmesser des Spinalkanals ist Gott gegeben. Wir haben lediglich etwas mehr Platz gemacht für das Rückenmark. Von dem akuten Problem der kurzzeitigen vollständigen Lähmung beider Arme und Beine hat sich der Körper glücklicherweise erholt“, fügt er hinzu.

Es ist ein langer Weg der kleinen Schritte, den Hannelore Rohloff jetzt gehen muss. „Ich bin nur froh, dass ich im Krankenhaus und nicht zu Hause gestürzt bin. Das war Glück im Unglück“, erklärt die 60-Jährige. „Denn ich brauche meine Mobilität.“ Insgesamt sechs Wochen soll Rohloff eine Halskrause tragen, damit die bei der OP durchtrennten Wirbelbögen vollständig verheilen können.

Privatdozent Reinhold praktiziert seit über einem Jahr am Klinikum Südstadt. Zuvor hätte er in Österreich und den USA gearbeitet. „Ich bin in Bremen geboren und wollte zurück nach Norddeutschland. Am Klinikum Südstadt in Rostock gab es Bedarf, da die Wirbelsäulenchirurgie als ein wesentlicher Bestandteil der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie weiter ausgebaut werden sollte“, berichtet Reinhold. Als ausgebildeter Unfallchirurg, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie umfasst sein Behandlungsspektrum alle akuten Verletzungen, altersbedingt, erworbene, chronische - und angeborene Erkrankungen der gesamten Wirbelsäule. In erster Linie würde er degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule behandeln, da diese am häufigsten vorkommen. Dazu zählen Erkrankungen der Bandscheiben, Wirbelgelenke, Fehlstellungen und Instabilitäten der Wirbelsäule und Einengungen des Spinalkanals.

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