zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. September 2017 | 07:49 Uhr

Wissenschaft in Rostock : Das Gewächshaus der Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Forscher der Uni kombinieren Fische und Pflanzen in einem Kreislauf und revolutionieren damit den umweltfreundlichen Anbau.

von
erstellt am 09.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Auf den ersten Blick ist zwischen den Pflanzen im Gewächshaus der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät kein Unterschied auszumachen. Sie sind gleich groß und strahlen in frischem Grün. Bohnen, Erbsen, Tomaten, Feldsalat – alles gedeiht prächtig auf den Ebbe- und Fluttischen. Dabei werden nur drei der neun Pflanzenreihen klassisch gedüngt. Das Geheimnis hinter dem Wachstum der anderen steckt im Wasser, das aus großen Fischtanks nebenan gepumpt wird.

In ihnen schwimmen Afrikanische Raubwelse, aus deren Abwasser mithilfe von Bakterien Nitrat und Phosphat gewonnen werden. Diese Nährstoffe versorgen das Gewächshaus als Düngelösung. Das von den Pflanzen gereinigte Wasser fließt anschließend zurück in die Fischtanks, wird also doppelt genutzt. Bekannt ist dieses Verfahren als Aquaponik. „Das ist die nachhaltigste und ressourcenfreundlichste Nahrungsmittelproduktion, die wir kennen“, sagt Prof. Harry Palm, Inhaber des Lehrstuhls für Aquakultur und Sea-Ranching. Neben dem Obst und Gemüse werden so pro Jahr vier Tonnen Fisch in der Versuchsanlage produziert. Von der Qualität können sich Rostocker schon jetzt bei Grönfingers und bei der Fisch und Feinkost Handelsgesellschaft überzeugen. Dort sind die Endprodukte bereits erhältlich.

Außer dem Afrikanischen Raubwels kommt im Justus-von-Liebig-Weg auch der Nil-Buntbarsch zum Einsatz. Aber „im Prinzip sind alle Fischarten geeignet“, sagt Lehrstuhl-Mitarbeiter Ulrich Knaus. Und auch Kombinationen mit Krebsen oder Garnelen seien denkbar. Allerdings bringt jede Art und Kombination unterschiedliche Haltungsbedingungen mit. Die können je nach Temperatur-, Licht-, Platz- und Futterbedarf sehr aufwändig und kostenintensiv sein. „Die Durchsetzung dieser Technologie hängt von der Wirtschaftlichkeit ab“, sagt Palm. Aufgabe der Rostocker Forscher sei es daher, die effizientesten Kombinationen zu finden: Welcher Fisch harmoniert mit welcher Pflanze? Wie viele Tiere können ohne gesundheitliche Beschwerden in einem Tank gehalten werden? Was gibt der Konsument am Ende wirklich aus?

Ihre gesammelten Daten veröffentlichen die Forscher. „Das ist der Anschub, den wir hier leisten“, sagt Palm. Für ihn steht fest: „Jede Pflanze und jeder Fisch, die nach diesem Prinzip produziert werden, verbessern die Umweltbilanz.“ Das Verfahren sei beispielsweise für Restaurants oder den Anbau medizinischer Pflanzen interessant. Aber auch Privatmenschen können problemlos einsteigen. „Im Grunde braucht man nur ein Aquarium, die Pflanzen kann man oben drauf legen“, sagt Knaus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen