Volkstheater : Das Ende einer kurzen Ära

Er galt als das Wunder von Senftenberg und sollte auch das Rostocker Haus retten. Doch der 55-Jährige scheiterte aus Sicht der Stadt.
Er galt als das Wunder von Senftenberg und sollte auch das Rostocker Haus retten. Doch der 55-Jährige scheiterte aus Sicht der Stadt.

Stadt entlässt Intendant Sewan Latchinian fristlos. Vertragsverhandlungen mit Nachfolger Joachim Kümmritz auch um wirtschaftliche Führung.

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07. Juni 2016, 05:00 Uhr

„Es ist bedauerlich, dass die Ära zu Ende geht“, sagt Sybille Bachmann (Rostocker Bund) über den Schlussstrich unter der Intendanz von Sewan Latchinian. Aber die Trennung sei erforderlich. Ihr Antrag auf Abberufung war es, der Latchinian gestern in der Dringlichkeitssitzung des Hauptausschusses zu Fall brachte. Bachmann hatte darin mehrere Vorgänge binnen der letzten zwei Wochen aufgezeichnet, die das Vertrauen in ihn „nachhaltig zerstört“ hätten.

Latchinian habe seine Verschwiegenheitspflicht verletzt, in dem er Meinungsverschiedenheiten der Geschäftsführung nach außen trug. Gegenstand waren personelle Fragen um Schauspieler bei Spartenumstrukturierung. Weiterhin habe er Beschäftigtengruppen gegeneinander ausgespielt. „Die Spielplangestaltung und deren Umsetzung führten zu einem wirtschaftlichen Schaden für die VTR GmbH.“ Ersatzlos waren Vorstellungen entfallen. Große Kritik: Die mangelnde Spielzeitplanung für 2016/17. Viel zu spät, bis 31. Mai habe der Plan vorgelegen und bleibe „hinter den Möglichkeiten des Hauses“. Zudem habe der Intendant den von der Bürgerschaft beschlossenen Umstrukturierungsprozess blockiert. Es zeige sich „eine Verletzung von Pflichten eines GmbH-Geschäftsführers“ und er gefährde das Theater.

Der Ausschuss stimmte Bachmann mehrheitlich zu. Latchinian könnte noch immer gerichtlich um eine Abfindung kämpfen. Sein Vertrag wäre noch bis Ende 2019 gelaufen, er hätte noch rund 400 000 Euro verdient. Nachfolger von Latchinian wird Joachim Kümmritz vom Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, der auch in Neustrelitz noch vertraglich gebunden ist. „Jetzt geht es um Vertragsverhandlungen, aber sein Schwerpunkt wird Rostock sein“, sagt Bachmann.

Zudem sei denkbar, dass er auch direkt die wirtschaftliche Leitung des Volkstheaters mit übernimmt. Der bisherige Geschäftsführer, Stefan Rosinski, geht Ende Juli nach Halle. Details gebe es noch nicht.

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