Gesund in Rostock : „Das Besondere an der Kardiologie ist die Schnelligkeit“

Rostocker Oberarzt Dr. Thomas Körber: „Es gibt keine Pumpe oder keinen Motor, der die Leistung und Lebensdauer des Herzens hat.“
Rostocker Oberarzt Dr. Thomas Körber: „Es gibt keine Pumpe oder keinen Motor, der die Leistung und Lebensdauer des Herzens hat.“

Im Interview: Oberarzt Dr. Thomas Körber

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13. August 2015, 08:00 Uhr

In der kardiologischen Abteilung werden sämtliche Herzkrankheiten diagnostiziert und behandelt. Erfahrene Fachärzte und Kardiologen verbessern so die Funktion und Arbeit des Herzens. Der leitende Oberarzt der Kardiologie, Dr. med. Thomas Körber, sprach mit NNN-Autorin Josefine Rosse über die Besonderheiten seines Fachgebietes.
Seit sechs Jahren hat das Klinikum Südstadt ein Herzkatheterlabor. Was wird dort gemacht?
Körber: Im Herzkatheterlabor werden Herzkrankheiten diagnostiziert, akute Herzinfarkte und Patienten mit Herzrhythmusstörungen behandelt. Dabei wenden wir moderne Herzkathetertechniken an. Wir setzen Stents oder implantieren Defibrillatoren oder Schrittmacher. Sollte der Patient trotz aller Bemühungen eine Herzoperation benötigen, arbeiten wir sehr eng mit den Herzchirurgen der Uniklinik zusammen.
Interdisziplinarität wird im Klinikum Südstadt groß geschrieben. Inwiefern wirkt die Kardiologie fachübergreifend?
Wir erstellen Herzkreislauf-Befunde, die auch für andere Abteilungen der Inneren Medizin, der Chirurgie und Anästhesie des Klinikums von großer Relevanz sind. Klären zum Beispiel, ob ein Herz stabil genug für eine bestimmte Operation ist. Auch Schwangere mit Herzerkrankungen sind keine Seltenheit. Dementsprechend ist die Kardiologie eine wichtige Schnittstelle im Klinikum.
Wie kann das Herz geschützt werden?
Risikofaktoren für eine Herzkreislauferkrankung sind Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, zu hohe Cholesterinwerte, aber auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Erkranken können alle Komponenten des Herzes: der Herzmuskel, die Herzklappen, die Herzkranzgefäße und das Reizleitungssystem, die Elektrik des Herzens. Umso älter man wird, umso wahrscheinlicher ist es, dass das Herz Schwäche zeigt. Es gibt keine Pumpe oder keinen Motor, der die Leistung und Lebensdauer des Herzens hat, welches millionenfach im Laufe eines Lebens schlägt, dabei etwa 7000 Liter Blut pro Tag durch den Körper pumpt. Wenn das Herz stillsteht, zählt jede Sekunde. Vor allem, weil die Organe dann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden, es droht ein Versagen von Leber und Nieren. Die Sterblichkeit aufgrund eines akuten Herzinfarkts ist aber zurückgegangen.
Wie viele Herzinfarktpatienten werden ins Klinikum eingeliefert?
Wir behandeln im Jahr 150 bis 200 akute Infarkte. Um festzustellen, was an den Koronarien, also den Herzkranzgefäßen passiert, führen wir darüber hinaus jährlich etwa 1000 Katheteruntersuchungen, Koronarangiografien, durch. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung und unter Röntgendurchleuchtung. Mittels Röntgenkontrastmittel können wir die Herzkranzgefäße sichtbar machen. Zeigt sich hier eine Engstelle, die im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen kann, wird diese mit einem Stent aufgeweitet und so die Blutversorgung des Herzens sichergestellt.
Wie werden Patienten mit Herzrhythmusstörungen behandelt?
Das hängt von der Art der Erkrankung ab. Bei Herzrhythmusstörungen mit zu langsamem Puls kann ein Schrittmacher implantiert werden. Patienten mit sehr schwachem Herzen benötigen einen Kardioverter-Defibrillator, kurz Defi, um vor bösartigen schnellen Herzrhythmusstörungen geschützt zu werden. Sie bekommen sozusagen ihren Notarzt in die Brust. Spezielle Schrittmacher können bei Herzschwäche und zusätzlichen Störungen in der Elektrik des Herzens die Pumpleistung verbessern.
Welche Besonderheiten weist Ihre Abteilung auf?
Das Besondere an der Kardiologie ist die Schnelligkeit. Entscheidungen müssen schnell und präzise getroffen werden, da es um Leben und Tod gehen kann. Als Arzt muss man schnell die Situation erkennen, damit rasch gehandelt werden kann. Krankheitsfälle wie der akute Herzinfarkt werden von uns 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche behandelt. Für diese Notfälle haben wir eine Rufbereitschaft eingerichtet.



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