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Finanzen : Darwineum: Hat sich der Rostocker Zoo verschätzt?

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Prognose von Besuchern und Einnahmen weit verfehlt – trotzdem hält der Direktor an neuer Bärenburg fest

von
erstellt am 28.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Ein Besucheranstieg um mindestens 40 Prozent und ein deutlicher Sprung der Einnahmen auf fast 8,9 Millionen Euro – auf Basis dieser Prognose aus dem Jahr 2007 für das Jahr 2013 bekam der Rostocker Zoo grünes Licht für den Bau des Darwineums. Festgeschrieben sind diese Zahlen im Entwicklungskonzept 2020 des städtischen Unternehmens. Real stieg die Besucherzahl 2013, dem Jahr nach der Eröffnung des Darwineums, im Vergleich zu 2011 allerdings nur um 21 Prozent, auf 637 000. Die Einnahmen lagen bei sechs Millionen Euro – zwei Drittel der veranschlagten Summe.

Vor diesem Hintergrund fordern die Grünen in der Bürgerschaft nun eine Erklärung, auch im Hinblick auf den geplanten Neubau des Polariums. „Die Abweichungen der Ist-Zahlen von den Plan-Zahlen ist zum Teil erheblich“, sagt Fraktionsmitglied Uwe Flachsmeyer. „Auch, wenn das Konzept zehn Jahre im Voraus geplant wurde, ist es wichtig, dass die Zahlen halbwegs realistisch sind.“ Darüber hinaus fehle dem Zoo die langfristige Ausrichtung: „Welche Tiere können wir behalten, welche uns einfach nicht mehr leisten“, fragt Flachsmeyer. Um eine klare Richtung festzulegen, solle das Entwicklungskonzept 2020 überarbeitet und angepasst werden.

Zoo-Direktor Udo Nagel sieht eine der Ursachen für die Diskrepanz von Ist- und Plan-Zahlen in der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Die lasse sich schon an den überproportional gestiegenen Kosten für Energie und Futtermittel ablesen. „Das Besucherverhalten hat sich vollkommen anders gestaltet, als wir eingeschätzt hatten“, sagt er. In der Folge sei beispielsweise der 2007 noch geplante Neubau der Elefantenanlage fallen gelassen worden.

Andere Ziele von damals hat der Zoo knapp erfüllt, beispielsweise eine Eigendeckungsquote von 70 bis 80 Prozent durch die Einnahmen. Sie liegt laut Planung für 2014 bei 70 Prozent. Aus Sicht von Nagel bestätigt das den Erfolg des Entwicklungskonzeptes 2020. Er sagt: „Unsere Aufgabe war und ist es, die Probleme auf den Tisch zu packen und dafür Lösungen aufzuzeigen.“ Sorgen bereiten demnach noch immer veraltete Gehege, die nicht mehr den Standards entsprechen.

Am Polarium für Eisbären und Pinguine will Nagel deswegen unbedingt festhalten. Komme der Neubau nicht, müsste der Zoo beziehungsweise die Stadt als einziger Gesellschafter rund drei Millionen Euro für den Abriss der alten Bärenburg ausgeben – ohne Mehrwert. „Das Zehn-Millionen-Projekt bringt und sichert Arbeitsplätze und Gewerbesteuern für die Stadt“, sagt Nagel. Er sichert zu: „Bis zur Eröffnung des Polariums wird es keine Preiserhöhung der Tageskarten geben.“ Auch danach würden sie nur leicht angezogen.

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