zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 11:39 Uhr

Daniels Träume werden wahr

vom

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2012 | 08:29 Uhr

Schmarl | Angeln und Fußball - ganz normale Hobbys für einen kleinen Jungen. Dass Daniel Bellmann aus Schmarl morgen zum Hansa-Pokalspiel gehen kann, ist für ihn aber etwas ganz Besonderes. Die Ärzte haben grünes Licht gegeben, Daniels Blutwerte sind gut genug. Nach der Leukämie ist das ein großer Schritt in Richtung Normalität, wieder zurück in das Leben eines gesunden kleinen Jungen. "Ich freue mich riesig, zu Hansa zu fahren", sagt Daniel. Das Fan-Trikot mit allen Unterschriften und den Hansa-Schal hat er schon längst ausgepackt. Er fiebert dem Spiel entgegen.

Die Diagnose Blutkrebs Anfang vergangenen Jahres, Chemo-Therapie, Knochenmarkspende, Hirnhautentzündungen, ja sogar künstliches Koma, hatten den Kleinen lebensbedrohlich geschwächt. Unvorstellbar, dass ein Kind diese Last tragen kann. Daniel hat es geschafft, sich wieder zu erholen - mit ganz viel Kämpfergeist und der Unterstützung seiner Eltern. Die begleiten ihn auch zum Pokalspiel. Einen würde er besonders gern auf dem Rasen sehen: "Mein Lieblingsspieler ist Matthias Holst", sagt Daniel. Der ist aber leicht angeschlagen, ob er spielen wird, ist noch offen. Daniel würde sich darüber freuen. Aber auch wenn nicht: Mit seinem Vater, seiner Mutter und einer Freundin der Familie will er auf der West-Tribüne auf den Sitzen und möglichst ohne Rollstuhl einen tollen Tag verbringen - wie ein normaler gesunder Junge. Genauso wirkt er auch.

Der Rollstuhl steht in der Ecke im Wohnzimmer der Familienwohnung. Daniel spielt mit seinen Lego-Figuren, einer Dinosaurier-Forschungsstation. Die hat er zum 11. Geburtstag vor ein paar Wochen bekommen. Den Mundschutz braucht er dabei drinnen nicht mehr. Er ist kaum wiederzuerkennen. Seine Haare, die er bei der Chemo-Therapie verloren hatte, sind nachgewachsen. Er wirkt nicht mehr kränklich, sondern lebhaft. Der kleine Daniel macht im Kampf gegen die Leukämie große Fortschritte. Vergangene Woche ist ihm der Herzkatheter entfernt worden. Die regelmäßige Medikamentenvergabe darüber braucht er nicht mehr. "Das zeigt, dass wir in der Endphase sind", sagt Vater Jörg Bellmann, dass Daniel wieder gesund wird. Gerade sind keine Krebszellen mehr festzustellen. Ohne Blut- und Thrombozyten-Spenden geht es aber noch nicht. Daniels Knochenmark muss sich erstmal wieder aufbauen. Regelmäßig geht er auch zur Physiotherapie. Wenn er durch den Raum tigert, ist noch zu sehen warum.

Er läuft auf Zehen und Ballen, kriegt den Hacken noch nicht richtig mit auf den Boden. Seine Achillessehne ist noch verkürzt - durch die Monate in denen er das Bett hüten musste. Durch die Bewegungs-Therapie, das gezielte Dehnen der Sehne, versucht er einer weiteren Operation zu entgehen.

Daniel hat in den letzten Wochen große Fortschritte gemacht, ein regelrechter Schub der Besserung und aufbauender Ereignisse. Er hat die vierte Klasse geschafft, auch wenn er wegen der großen Ansteckungsgefahr bei seinem geschwächten Immunsystem nicht mit den anderen Kindern im Klassenraum lernen konnte. Zu seiner Zeugnisausgabe mit allen dritten und vierten Klassen der Grundschule Schmarl vor ein paar Wochen war er aber trotzdem, musste noch im Rollstuhl kommen. Hier war die Besserung erstmals ganz deutlich zu sehen. Daniel hat alle überrascht, sogar seine Eltern. Als sein Name aufgerufen wurde, begann er nicht die Räder des Rollstuhls zu drehen, sondern stand einfach auf. "Er ist allein aufs Podium gegangen - ohne Rollstuhl, ohne fremde Hilfe", sagt sein Vater. Da seien Tränen geflossen.

Und Daniel ist weiter fleißig. Er wurde in die fünfte Klasse versetzt. Lehrerin und stellvertretende Schulleiterin Christine Baumbach unterstützt Daniel, kennt ihn schon von der Grundschule. Drei Stunden Unterricht die Woche bekommt er bei ihr. "Er ist sehr wissbegierig und ehrgeizig", sagt sein Vater stolz. Mit seiner Mutter lernt er noch mehr, füllt Übungshefte aus, rechnet Aufgaben nach. Daniel will auch diese Klasse packen, den Anschluss nicht verpassen. "Es wäre toll, wenn er nächstes Schuljahr wieder normal in der Klasse mitmachen kann", sagt seine Mutter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen