Kultur : Compagnie feiert 25. Geburtstag

Die Rostocker Intendantin Martina Witte ist Gründungsmitglied der Compagnie de Comédie und leitet diese seit 1993. Die Bühne 602 ist seit 2000 die Heimatstätte des Freien Theaters.
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Die Rostocker Intendantin Martina Witte ist Gründungsmitglied der Compagnie de Comédie und leitet diese seit 1993. Die Bühne 602 ist seit 2000 die Heimatstätte des Freien Theaters.

Bühne 602 lädt am 2. Juli zum Jubiläum in den Stadthafen ein. Bestand nur durch Zuwendungen von Stadt und Land gesichert.

svz.de von
28. Juni 2016, 12:00 Uhr

Im Juli 1991 hat die Compagnie de Comédie mit Aristophanes „Eirene – der Frieden“ ihre erste Premiere gefeiert. Am Sonnabend lädt die Bühne zum 25. Jubiläum in die Spielstätte am Stadthafen ein. „Gleichzeitig feiern wir mit Georg Haufler, einem unserer Schauspieler und Mitbegründer der Compagnie, in seinen 65. Geburtstag“, sagt Intendantin Martina Witte, die seit 1993 das Freie Theater in Rostock leitet.

Zum Jubiläum sollen keine Reden geschwungen werden, so Witte: „Es sollen Leute auf der Bühne stehen, die sonst auch dort agieren. Künstler, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten.“ Zu den Gästen gehören die Kabarettisten von Rohrstock und Kahrotte, das Theater am Ring, Dietrich und Raab, Fiete und Schiete, Sonja Hilberger und andere. „Viele haben gesagt, sie sind gern dabei und bereiten Beiträge vor. Die meisten kennen wir selbst noch nicht – es wird auch für uns Überraschungen geben“, sagt die Intendantin.

Aber auch Beiträge aus dem eigenen Haus stehen auf dem Programm, das um 15 Uhr am Stadthafen beginnt. „Georg Haufler nimmt mit dem Duo Tonart etwas ganz Altes von Karl Valentin wieder auf“, sagt die Theaterleiterin. In den vergangenen 25 Jahren habe das Ensemble 169 eigene Inszenierungen umgesetzt. „Inklusive der Gastspiele haben wir im Jahr etwa 360 bis 380 Vorstellungen“ resümiert Witte. Dabei waren die letzten 25 Jahre nicht immer leicht für die Compagnie.

Gerade zu Beginn, kurz nach der Wende sah sich das frisch gegründete Ensemble noch ohne feste Spielstätte. „Wir haben angefangen im Heinrich-Mann-Klub in der Hermannstraße und sind dann weiter gezogen ins Haus der Freundschaft. Da zog es überall und tropfte durch die Decke“, erinnert sich die 55-Jährige. 2000 kam die Erleichterung: „Mit dem Bau der Bühne 602 am Stadthafen hat sich für uns eine Riesenchance ergeben“, sagt Witte. Das Gebäude wurde durch das Projekt Urban finanziert, zu 90 Prozent aus europäischen Mitteln, und bot dem Freien Theater ganz neue Möglichkeiten. „So konnten wir ein ganzjähriges Programm aufstellen und auch zahlreiche Gastspiele in unser Repertoire aufnehmen. Mit unseren eigenen Schauspielern war das plötzlich gar nicht mehr zu schaffen“, so die Intendantin.

Heute hat das Theater zwar eine feste Bleibe, aber der Erfolgsdruck ist hoch. „Jede Inszenierung muss ein Erfolg werden. Einen Flop – den wir glücklicherweise noch nie hatten – können wir uns nicht leisten“, unterstreicht Witte. Der Gesamtetat der Bühne liege bei 520 000 Euro. „Mehr als die Hälfte davon erwirtschaften wir selbst.“ Der Rest komme durch Fördermittel zusammen, 159 000 Euro von der Hansestadt und 75 000 vom Land. Ihr großer Wunsch: „Dass wir es uns leisten können, Schauspieler fest zu engagieren, um eine längerfristige Planung zu ermöglichen.“

Aktuell seien in der Bühne lediglich zwei Techniker, ein Auszubildender und sie selbst vollbeschäftigt. Hinzu kämen Teilzeitkräfte, FSJler und freiberufliche Künstler. Fest engagierte Schauspieler hat das Haus nicht mehr. „Man muss ganz klar sagen, ohne die Unterstützung der Stadt, die uns bereits jetzt den Bewilligungsbescheid bis Ende des Jahres gegeben hat, wären wir wohl längst insolvent“, sagt Martina Witte. Beschweren wolle sie sich aber nicht. Man sei froh, die Theaterlandschaft in der Hansestadt bereichern zu können. Das soll am 2. Juli bis Open End gemeinsam mit den Rostockern gefeiert werden.

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