Hilfsaktion Warnemünde : Columbo – Straßenmusiker beweist Herz

Zwei Kollegen, die Freundschaft geschlossen haben: Straßenmusiker Columbo und Hein Schöler. Den hiesigen Kollegen hat der Akkordeonspieler in eine tolle Idee eingeweiht.
Zwei Kollegen, die Freundschaft geschlossen haben: Straßenmusiker Columbo und Hein Schöler. Den hiesigen Kollegen hat der Akkordeonspieler in eine tolle Idee eingeweiht.

Akkordeonspieler spendet seine Einnahmen für ein verletztes Mädchen

svz.de von
27. September 2015, 09:00 Uhr

Er hat sich schnell in die Herzen der Warnemünder und Urlauber gespielt: Straßenmusiker Columbo alias Werner Hartmann. Im Sommer war der 78-Jährige aus Füssen oft an der Bahnhofsbrücke zu hören. Mit seinem kleinen Hohner-Akkordeon und Hund Lizzy wurde er schnell zum Publikumsliebling. Und er selbst hat Warnemünde und die Menschen sofort ins Herz geschlossen – und das, obwohl ihm hier einmal die gesamten Tageseinnahmen gestohlen wurden.

Seit langer Zeit reist Columbo mit seinem Akkordeon und Lizzy durch die Welt und spielt. Derzeit ist er wieder unterwegs, aber wenn er zurück im Ostseebad ist, plant er etwas Gutes: Während der Hanse Sail hat er beobachtet, wie ein Mädchen auf der Brücke einen Unfall erleiden musste. Von da an spielte er lange Zeit zugunsten der Kleinen. Die Einnahmen in Höhe von 1000 Euro will er der Mutter des Mädchens überreichen. „Er hat es bei mir treuhänderisch hinterlegt“, sagt Hein Schöler vom Duo Kuddel und Hein. Er lernte Hartmann kennen, als er seinem Akkordeonspiel auf der Bahnhofsbrücke lauschte und sofort Feuer fing. „Von Columbo geht eine echte menschliche Wärme aus, er hat eine besondere Ausstrahlung“, bescheinigt Schöler. Die beiden Männer kamen ins Gespräch, über ihren Beruf, das Leben sowie die Liebe zum Akkordeon und zur Musik überhaupt.

„Ich habe mein erstes Akkordeon mit acht Jahren zu Weihnachten bekommen und mir das Spielen selbst beigebracht“, erzählt Columbo dem Kollegen. Bald nach diesem Weihnachtsfest wurde ihm sein geliebtes Akkordeon gestohlen. Als er eine Malerlehre anfing, entdeckte er in einem Geschäft ein Akkordeon für 135 Mark. „Das war damals enorm viel Geld“, sagt der Musiker. „Mein Wochenlohn betrug sieben Mark, daran erkennt man, wie viel Geld das damals gewesen ist.“ Regelmäßig zahlte er das Akkordeon ab, bis das Instrument wieder verschwunden war. Tapfer ging er zum Händler und schilderte ihm ehrlich die Misere von dem Verlust. Dieser zeigte Verständnis und erließ ihm die restlichen Schulden. Was Columbo damals nicht wusste: Seine Mutter hatte das Instrument heimlich bezahlt und es erneut unter den Weihnachtstannenbaum gelegt.

Sind der Musiker und die betroffene Familie von ihren Reisen zurück, soll es einen Termin mit Columbo, Hein, dem Mädchen und seiner Mutter geben. Für den Fall, dass dieses Vorhaben doch scheitern sollte, hat Columbo schon einen gemeinnützigen Verein als Empfänger benannt. Seinen Spitznamen haben ihm übrigens Mitmusiker verpasst, weil er dem Fernsehkommissar früher ähnlich sah.

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