Interview : Chris Norman singt immer noch von „Alice“

Chris Norman präsentiert sein aktuelles Album „Crossover“ in Rostock.
Chris Norman präsentiert sein aktuelles Album „Crossover“ in Rostock.

Ex-Smokie-Frontmann spielt alte Hits und schlägt neue Töne an / Im Herbst kommt er nach Rostock

svz.de von
29. September 2015, 15:00 Uhr

Am 17. November kommt Chris Norman, die Stimme von Smokie, auf seiner aktuellen Tour in die Rostocker Stadthalle. Über den Unterschied, Teil einer Band zu sein oder als Solokünstler Karriere zu machen, über seine Beziehung zu Deutschland und über sein neues Album „Crossover“ sprach Norman mit NNN-Autorin Katrin Zimmer.

Ihre Musik ist in Deutschland sehr beliebt und Sie sprechen sogar ein bisschen Deutsch. Wie beschreiben Sie Ihre Verbindung zu Deutschland?

Chris Norman: Es ist eine lange Beziehung. Seit 40 Jahren komme ich regelmäßig nach Deutschland. Über die Jahre habe ich ein sehr gutes Gefühl für Land und Leute entwickelt. Die Menschen sind großartig. Da ich hier sehr bekannt bin, sind die Leute immer sehr freundlich und höflich zu mir gewesen. Und auf Konzerten hatte ich immer tolles Publikum.

Im November werden Sie wieder in der Stadthalle auftreten. Sie waren schon öfter hier. Gibt es etwas, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Auf Tour hat man meist nicht viel Zeit, sich die Orte anzusehen, sondern erlebt nur die Spielstätten. Aber das Rostocker Publikum war immer großartig.

Ihr neues Album trägt den Titel „Crossover“. Warum?

Ganz einfach, weil die Titel verschiedenen Musikrichtungen entstammen. Man kann nicht sagen, dass es ein reines Rock-Album wäre. Früher habe ich gedacht, ein Album dürfe nur aus Songs bestehen, die demselben Genre entstammen. Deshalb haben es manche Titel, die ich geschrieben habe, nicht auf ein Album geschafft. Dieses Mal habe entschieden: Wenn ich einen Titel mag, sollte er auch auf das Album kommen. In Live-Shows kombiniert man schließlich auch verschiedene Genres in einem Programm. Daher der Titel „Crossover“.

Der erste Song auf dem Album heißt „Waiting“ (dt.: warten). Nach all dem Erfolg, gibt es immer noch Dinge, auf die Sie warten?

Irgendwie schon. Nicht auf eine spezielle Sache. Aber ich denke, jeder hat etwas, auf das er wartet, auch wenn er nicht genau weiß, worauf. Darum geht es in dem Song. Wir verbringen unser Leben damit zu warten. Auf das Wochenende, auf Weihnachten, darauf die große Liebe zu finden. Ich tue das auch. Ich warte auf die nächste Tour oder das nächste Album. Es geht nicht darum, dass ich auf etwas warte, dass ich mir wünsche. Es ist mehr eine Beobachtung.

Auf Tour spielen Sie immer noch die „guten alten Sachen“ von Smokie – wie „Alice“?

Natürlich. In gewisser Weise muss ich sie spielen, um das Publikum nicht zu enttäuschen. Zwar gibt es viele, die die neuen Titel hören wollen, aber es sind auch viele dabei, die wegen der alten Hits kommen und traurig wären, sie nicht zu hören. Ich möchte, dass die Leute mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. So versuche ich, alte und neue Songs zu kombinieren.

Überwiegt eine Seite?

Es ist ausgewogen, denke ich. Ich beginne mit ein paar neuen Songs, dann zwei oder drei alte – es ist eine lange Show. In den zweieinviertel Stunden ist genug Zeit, alle zufriedenzustellen.

Und für Sie selbst: Wird es nicht irgendwann langweilig Titel wie „Midnight Lady“ immer und immer wieder zu spielen?

Nein. Wenn ich allerdings nur Oldies spielen müsste, würde ich mich erschießen. Wichtig ist die richtige Mischung. Das macht mich und das Publikum glücklich.

Nachdem Sie Smokie vor langer Zeit verlassen haben, was war besser: Der Kopf einer Gruppe zu sein oder als Solo-Künstler Karriere zu machen?

Das ist schwierig. Der Kopf einer Gruppe zu sein war toll, aber so wie es jetzt ist, ist es mir wirklich lieber. Am Anfang war es schwer, weil ich immer Teil einer Band gewesen bin. Ich war also nie allein. Hatte immer jemanden, der mich unterstützt hat – das war bequem. Als ich dann allein unterwegs war, war es anfangs sehr angsteinflößend, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Außerdem hab ich jetzt als Solokünstler ja auch eine tolle Band, die ich seit Jahren kenne. Das Beste ist, ich muss niemanden fragen: „Wollen wir es so machen oder so?“ Ich bin der Boss, ich kann alles entscheiden (lacht).

Zu guter Letzt: Gibt es irgendetwas im Laufe Ihrer Karriere, dass Sie bereuen?

Da müssten wir noch Stunden reden. Es gibt einige Platten, die ich gern löschen würde. Am meisten bereue ich aber die Dinge, die ich nicht getan habe. Zum Beispiel als ich 1980 gefragt wurde, ob ich auch in den USA auftreten wolle. Ich habe abgelehnt, weil ich mich damals nicht dafür bereit fühlte. Jetzt denke ich, ich hätte es tun sollen. Ich wäre auch in Amerika bekannter geworden, was meine Karriere vorangebracht hätte. Letztlich denke ich aber, dass man sich nicht darüber den Kopf zerbrechen sollte, was man besser oder besser nicht getan hätte.

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