Rostock-Laage : Chefwechsel am Flughafen

<strong>Deutschlands einzige Flughafen-Chefin</strong> Maria Muller verlässt Rostock-Laage. <fotos>dpa</fotos>
Deutschlands einzige Flughafen-Chefin Maria Muller verlässt Rostock-Laage. dpa

Sie sorgte in Laage für mehr Passagiere, mehr Fluglinien, aber auch hohe Verluste: Deutschlands einzige Flughafen-Chefin Maria Muller geht nach Kassel.

svz.de von
11. Juni 2012, 07:38 Uhr

Laage | "Maria Muller hat in den vergangenen Jahren auf dem Flughafen Rostock-Laage einen guten Job gemacht. Sie hat es geschafft, unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen die Zahl der Passagiere zu erhöhen." Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, blickt auf rund fünf Jahre Tätigkeit Mullers als Geschäftsführerin des größten Flughafens in MV. Es sei ihrer Arbeit anzurechnen, dass die rot-schwarze Landesregierung sich in ihrer Koalitionsvereinbarung zu Laage als Landesflughafen bekannt hat und nun dauerhafte Zuschüsse gewährt, sagt Beisel über Deutschlands einzige Flughafen-Chefin.

Doch diese Zuschüsse sind für Muller, die Ende Juni Laage verlässt, noch ein zu geringes Zeichen dafür, dass sich das Verhältnis von Schwerin zu Laage verändert hat. "Die Landesregierung hat mit dem Flughafen ein Handwerkszeug, das sie nicht stark genug einsetzt", sagt Muller, die ab September die Führung des Flughafens Kassel-Calden übernimmt. Diese zögerliche Haltung werde außerhalb des Landes nicht verstanden. Das ständige laute Nachdenken über die Zukunft des Flughafens sei schlecht fürs Image und verunsichere die Kunden. Potenzielle Investoren, die neue Niederlassungen im Nordosten gründen wollen, erwarteten jedoch eine stabile Flughafenpolitik - die dem Land aber teuer zu stehen kommt.

Ohne Millionenzuschüsse der Staatskasse wären in Laage schon längst die Lichter ausgegangen. Die Bedenken lässt Muller kaum gelten: Seit Jahren weist sie darauf hin, dass es in Deutschland keinen Regionalflughafen gibt, der schwarze Zahlen schreibt. Trotzdem stünden alle anderen Landesregierungen zu "ihren" Flughäfen und würden sie nicht nur finanziell unterstützen, sondern als Pluspunkt für ihre Regionen vermarkten. Entsprechend äußert sich Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) zurückhaltend zum Abschied Mullers. Sie habe die Außendarstellung des Flughafens verbessert, ein gutes Marketing betrieben und neue Fluggesellschaften geholt. "Aber man war nicht immer einer Meinung." Sie habe stets eine Beteiligung des Landes gefordert. "Mit ihrer Arbeit hat sie jedoch bewiesen, dass die Betreiber gut - vielleicht besser - wirtschaften, wenn das Land keine Rückendeckung in Form einer Beteiligung bietet." Inzwischen verkehren Linienflieger von Laage nach München, Stuttgart, Frankfurt und Zürich. 2011 konnte der Flughafen mit 223 516 Passagieren ein leichtes Plus von 1,8 Prozent verzeichnen.

Trotz aller Erfolge: Nach fünf Jahren an der Spitze des Flughafens bleibt auch Muller hinter den Erwartungen zurück. Ihr Vorgänger, Bernd Blumenthal, musste 2007 gehen, nachdem er wegen millionenschwerer Verluste und der ausbleibenden Reduzierung der jährlichen Zuschüsse der Gesellschafter unter Druck geraten war. Und so sollte Muller vor allem die Verluste deutlich reduzieren. 2007 hatten die Gesellschafter verlangt, dass die Zuschüsse für den Flughafen auf 500 000 Euro reduziert werden müssten. Durch ein vernünftiges Kostenmanagement ließe sich der Zuschussbedarf von jährlich einer Million Euro binnen zwei Jahren "auf ein sehr geringes Maß verringern", hatten die Gesellschafter noch 2007 erklärt. Bei entsprechender Finanzierung prognostizierten die Eigner bis 2012 mit 250 000 Passagieren. Muller hielt bei einer Erweiterung des europäischen Streckennetzes in Rostock-Laage sogar 500 000 Passagiere im Jahr für möglich. Greife das Konzept, werde man künftig ohne Landeszuschüsse auskommen, erklärte Jochen Bruhn, Chef der Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding (RVV), die für die Hansestadt die Anteile hält, noch Ende 2009.

Davon ist Laage aber noch immer weit entfernt: In den letzten drei Jahren sei das Land pro Jahr für eine halbe Million Euro an den jährlichen Verlusten von 2,25 Millionen Euro aufgekommen, musste Flughafenchefin Muller im Herbst 2011 eingestehen. Inzwischen hat sich die Koalition dem Druck der Flughafenlobby gebeugt: Entgegen bisherigen Plänen will Schwerin den Verlustausgleich für den Flughafen Laage deutlich aufstocken und den Airport sowohl 2012/13 als auch darüberhinaus 2014/15 jährlich mit je 500 000 Euro subventionieren, war erst im Mai beschlossen worden.

Indes ist über die Neubestzung in der Flughafen-Chefetage noch nicht entschieden: Bis Juli sollen "qualifizierte" Personalvorschläge vorgestellt werden, kündigte gestern RVV-Chef Bruhn an. Danach werde so schnell wie möglich entschieden.

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