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Erhalt der Theaterlandschaft : CDU dringt bei Theater auf Tempo

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Vor der heutigen Debatte über die Forderungen der Volksinitiative zum Erhalt der vielfältigen Theaterlandschaft machte auch die CDU Druck und setzt auf Orchester-Zusammenschlüsse als tragfähigste Variante.

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2012 | 12:24 Uhr

Schwerin | Zeigt die Quasi-Belagerung des Landtages durch das Camp von Anhängern der "Kulturschutz"-Initiative Wirkung? Vor der heutigen Debatte über die Forderungen der Volksinitiative zum Erhalt der vielfältigen Theaterlandschaft machte auch die CDU Druck und setzt auf Orchester-Zusammenschlüsse als tragfähigste Variante.

Angesichts der finanziellen Nöte der Bühnen und ihrer Trägerkommunen müsse Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) deshalb sein Konzept für die Reform der Theaterfinanzierung schon vor der Sommerpause vorlegen, sagte gestern der Chef der CDU-Fraktion im Landtag, Vincent Kokert: "Im Herbst sind wir nicht schlauer als heute." Um zu erfahren, wie es den Theatern geht, "muss man nur vors Schloss gehen", so Kokert. Er ließ auch schon konkrete Vorstellungen seiner Fraktion durchblicken: Wenn man nicht einige Theaterstandorte völlig abbauen wolle, "dann kommt man nicht darum herum, über die Orchesterstruktur zu reden".

Hintergrund: Die Orchester sind wegen der relativ hohen Kopfstärke und der relativ guten Bezahlung der Musiker die massivsten Kostenfaktoren - und wegen der schlagkräftigen Musikergewerkschaft Deutsche Orchestervereinigung ein harter Gegner für Sparkommissare.

Vor dem Landtagssitz haben seit Tagen Theaterfreunde ein Protest-Camp aufgeschlagen, um den Forderungen nach höheren Landeszuschüssen Nachdruck zu verleihen. Hintergrund: Die Theater im Land stehen seit Jahren unter hartem Finanzdruck. Trotz steigender Tariflöhne und Kosten hält das Land die Zuschüsse seit Jahren konstant - bei 35,8 Millionen pro Jahr für alle Bühnen. Engere Kooperationen und notfalls auch Spartenschließungen sollen Kosten senken. Einen Plan gibt es dafür aber noch nicht.

Mit 48 500 Unterschriften hatte die Theater-Volksinitiative dreimal mehr Unterstützer gefunden als nötig, um das Thema in den Landtag einzubringen. Die Initiative verlangt mehr Landeshilfe, um drohende Entlassungen und Spartenschließungen an den Häusern zu vermeiden. Bildungsminister Mathias Brodkorb und sein Staatssekretär Sebastian Schröder (SPD) hatten dagegen immer wieder betont, erst müssten die Theaterträger und die Bühnen selbst wirksame Strukturentscheidungen umsetzen, bevor man über mehr Geld reden könne. Zumal Mecklenburg-Vorpommern mit 20,41 Euro je Einwohner und Jahr bundesweit die vierthöchsten Theaterzuwendungen unter den Flächenländern aufbringe.

Die oppositionelle Linke hatte jüngst eigene Vorschläge für die Finanzierung der Theater gemacht: Eine von einer Bettenabgabe, eine Kulturstiftung, dynamisierte Zuschüsse und die Landesträgerschaft für das Staatstheater Schwerin sollten die Bühnenlandschaft zukunftssicher machen.

Das sei zu sehr auf Schwerin fokussiert, so CDU-Mann Kokert. Eine Dynamisierung der Theaterförderung - also einen jährlichen Steigerungsfaktor zum Ausgleich für Tarifsteigerungen - wolle er aber nicht ausschließen. Aber: "Erst müssen wir ein Konzept haben und wissen, was wir wollen und was das kostet. Dann erst kann man über eine Dynamisierung reden."

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