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19. November 2017 | 15:30 Uhr

Bundeswehr bleibt Partner an Schulen

vom

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erstellt am 27.Apr.2012 | 11:40 Uhr

Schwerin | Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) hat die Vorträge von Jugendoffizieren der Bundeswehr vor Schulklassen in Mecklenburg-Vorpommern verteidigt. Anders als die Bündnisgrünen und die Linkspartei sah er gestern im Landtag keinen Grund, die Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr zu kündigen.

Durch die Vereinbarung werde die Bundeswehr einseitig bevorzugt und könne für ihre politischen Ansichten werben, sagte die Grünen-Abgeordnete Jutta Gerkan. Stattdessen sei eine gleichberechtigte Zusammenarbeit mit anderen demokratischen Institutionen und Friedensorganisationen wichtig, mit denen das Bildungsministerium aber keine Kooperationsverträge geschlossen habe.

Für die Linkspartei-Abgeordnete Simone Oldenburg ist es bereits eine unzulässige Werbung für die Bundeswehr, wenn die Jugendoffiziere in Uniform in die Schulen kommen. Schulen dürften aber keine "Kaderschulen für die Bundeswehr" werden.

Minister Brodkorb wies die Kritik zurück. Die Kooperationsvereinbarung beschränke den Auftritt der Jugendoffiziere im Grunde auf sicherheitspolitische Unterrichtseinheiten. Rekruten zu werben, sei ihnen verboten. Die Lehrer seien verpflichtet, ebenfalls konträre Standpunkte zu vermitteln. Sie seien selbstbewusst und geschult genug, um dies zu leisten. Außerdem hätten sich weder Lehrer, Eltern oder Schüler über die Auftritte der Jugendoffiziere beschwert, hieß es seitens der SPD.

Keinerlei Verständnis für das Anliegen der Grünen hatte der CDU-Abgeordnete Torsten Renz. Wer über Indok trination sprechen wolle, solle sich besser den Wehrkundeunterricht an den Schulen und den Handgranatenweitwurf bei der GST zu Zeiten der DDR in Erinnerung rufen. "Da wurden Schüler in die Enge getrieben, da wurden Schüler drangsaliert", empörte sich der CDU-Politiker.

Nach Angaben des Wehrbereichskommandos Küste haben die Jugendoffiziere im Schuljahr 2010/2011 in Mecklenburg-Vorpommern 85 Vorträge vor insgesamt 1621 Schülern gehalten. An 32 Besuchen bei der Truppe nahmen 867 Schüler teil. Zweimal spielten die Jugendoffiziere mit insgesamt 86 Schülern ein Simulationsspiel, in dem internationale Konflikte nachgestellt werden. 131 Referendare und Lehrer fuhren mit der Bundeswehr zu Seminaren nach Berlin oder Brüssel. "In ihrer Gesamtheit schätzen uns die Lehrer", sagte Fregattenkapitän Frank Martin dieser Zeitung. Aus Sicht der Bundeswehr sei es wünschenswert, wenn im Unterricht Friedensinitiativen einbezogen werden, dies "erleichtert auch uns die Arbeit".

Nach Ansicht der Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Annett Lindner sind die Lehrer aber nicht in der Lage, Unterrichtsstunden zur internationalen oder zur Sicherheitspolitik ausgewogen zu gestalten, weil Auftritte von Friedensinitiativen an den Schulen häufig in der Öffentlichkeit kritisiert würden. Beispiele dafür nannte die Gewerkschaftschefin nicht.

Monty Schädel von der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner sieht die Bundeswehr ganz praktisch im Vorteil. Durch ihre vielen hauptamtlichen und gut geschulten Jugendoffiziere habe sie ganz andere Möglichkeiten, auf Schüler Einfluss zu nehmen, als es ehrenamtliche Mitarbeiter von Friedensinitiativen und kirchliche Gruppen könnten.

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