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Bürgerschaft öffnet Tür für die Theater-Fusion

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erstellt am 05.Dez.2012 | 09:26 Uhr

Rostock | Die Bürgerschaft hat sich gestern Abend zwar hinter das Volkstheater gestellt: Es soll unbedingt eigenständig bleiben, heißt es in einem Grundsatzbeschluss. Aber das Hintertürchen in Sachen Fusion mit dem Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin stießen die Politiker zugleich weit auf. Denn sollte die Autonomie nicht zu halten sein, soll Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) mit dem Land über das Modell einer Musiktheater- und Orchesterfusion oder auch eines kompletten Zusammenschlusses beider Häuser verhandeln. Die Krux: Die Regierungskoalition in Schwerin hat sich längst festgelegt - sie will eine dieser beiden Lösungen durchsetzen.

Der designierte Verhandlungsführer Methling reagierte enttäuscht: "Eigentlich waren wir uns darüber einig, dass wir die Eigenständigkeit des Volkstheaters erhalten wollten. Sie sind nach Schwerin gefahren und umgekippt", sagte er in Richtung der Fraktionen von SPD, CDU, Linken und Bündnis 90/Die Grünen. Diese hatten den Beschlussvorschlag am Vorabend der Bürgerschaft bei einem Treffen mit Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) ausgehandelt.

Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken, betont, dass es sich dabei lediglich um eine Notlösung handele. "An Gesprächen teilzunehmen, heißt noch lange nicht, dass man eine Fusion unterschreibt." Für sie habe der Erhalt eines eigenständigen Theaters nach wie vor Priorität. SPD-Kulturexpertin Ingrid Bacher sagte, es gehe zunächst noch gar nicht um Details. Sie wolle die Tür nicht zuschlagen. Auch CDU-Mann Frank Giesen verwies darauf, dass Gespräche mit dem Land unabdingbar seien: "Ohne das Land finanziell ins Boot zu holen, werden wir das Volkstheater nicht aufrecht erhalten können." So legte die Bürgerschaft gleich ihre Ziele für die anstehenden Verhandlungen fest: eine Beteiligung des Landes, um die aktuell drohende Insolvenz abzuwenden, Hilfe beim Theaterneubau sowie die zukünftige Gleichbehandlung bei Zuschüssen. Zweifel an diesem Weg äußerte Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09. "Sie haben die Theaterschaffenden und die Leitung der Bühne ganz vergessen." So könne das Volkstheater nur scheitern.

In gleich mehrfacher Hinsicht drängt jetzt die Zeit. Zum einen macht das Land Druck, fordert eine baldige Einigung der theatertragenden Kommunen. Zum anderen steht insbesondere das Volkstheater "finanziell mit dem Rücken zur Wand", wie Aufsichtsratsmitglied Kröger noch einmal deutlich machte. Um die akute Misere abzuwenden, erneuerten die Fraktionen ihre Beschlüsse vom November zu einer Soforthilfe von bis zu 1,3 Millionen Euro und einer Gehaltssteigerung für die Mitarbeiter. Gegen diese hatte OB Methling Widerspruch eingelegt. Kröger appellierte an ihn, nun auf sein Recht zu verzichten, die Entscheidungen durch eine Beanstandung nochmals auf Eis zu legen.

Methling soll nun noch im Dezember die Gespräche zur künftigen Theaterstruktur aufnehmen. Ergebnisse soll er dem Bürgerschaftsbeschluss zufolge bei der Hauptausschusssitzung im Januar vorlegen. Der Rathaus-Chef äußerte indessen bereits Zweifel daran, ob dieser Zeitplan zu halten sei.

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