Rostocker Volkstheater : Bürger streiten für ihr Theater

Das Rostocker Volkstheater
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Das Rostocker Volkstheater

Die Schlüsselpersonen für die künftige Ausrichtung fehlen beim öffentlichen Forum im Rathaus allerdings

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17. Juni 2016, 05:00 Uhr

Ohne den designierten Intendanten Joachim Kümmritz haben rund 90 Rostocker gestern beim Bürgerforum im Rathausfoyer Stellung zum Theater-Hybridmodell bezogen. Auch die maßgeblichen Taktgeber der politischen Rahmenbedingungen, Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) sowie Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), fehlten. Insbesondere diese drei leeren Plätze riefen Kritik hervor: „Das ist nicht zielführend“, erklärte beispielsweise Einwohnerin Regine Pentzien, „der neue Intendant sollte anwesend sein“.

Nicht nur sie befürchtet, dass die diskutierten Punkte des Bürgerforums nun keine weitere Berücksichtigung bei den Entscheidungsträgern finden. Zumal Stefan Rosinski, scheidender kaufmännischer Geschäftsführer des Theaters und maßgeblicher Verfasser des Hybridmodells, eingestand: „Ich weiß nicht, was zwischen Joachim Kümmritz und Roland Methling vereinbart wurde.“

Fest stünden definitiv nur die Rahmenbedingungen. Und die sehen bis 2019 Zuschüsse zwischen 17,3 und 16,6 Millionen Euro vor. Darin sind die Umstrukturierungshilfen des Landes und der jährlich 700 000 Euro schwere Sonderfonds der Stadt für Instandhaltung, Kleininvestitionen und Theaterneubau integriert. Im vergangenen Jahr zahlten die Stadt 8,6 Millionen Euro und das Land 7,4 Millionen Euro an Zuschüssen.

Rosinskis Modell sieht den Ausbau des Musiktheaters, die Verstetigung der Konzertsparte, eine verkleinerte Schauspielsparte sowie den Erhalt der Tanzsparte bis 2019 vor. Dabei seien flexible Anpassungen allerdings jederzeit möglich: „Wir haben ein Kernensemble mit vier Schauspielern reingeschummelt – und wo heute vier sind, können es auch sechs oder acht werden“, so Rosinski. Das Modell sei ein Spagat. „Es versucht, politisch konsensfähig zu sein, damit die Mitarbeiter Kunst produzieren können.“ Für den Erfolg entscheidend seien vor allem Musiktheater und Orchester – sie sind die Publikumsmagneten des Volkstheaters und damit die Einnahmegaranten.

Das bestätigt auch Jana Petrat, deren Job der Ticketverkauf ist. Sie untermauert Rosinskis Statistik, derzufolge die nur 54 Musiktheatervorstellungen mit rund 14 500 in etwa ebenso viele Besucher anzogen, wie die 218 Schauspielvorstellungen mit 14 800. „Das ist es, was ich erlebe, was an der Kasse abgeht.“ Zuvor hatte die Vorsitzende des Theaterfördervereins, Antje Jonas, genau dies im Namen der 160 Mitglieder und unter heftigem Applaus der Anwesenden infrage gestellt: „Warum soll Rostock ausgerechnet eine Opernstadt sein beziehungsweise werden? Woraus wird der Bedarf geschlossen?“ Günter Hering geht noch einen Schritt weiter – er vermisst eine generelle Zielgruppenanalyse im vorgelegten Konzept. Knackpunkt, darin waren sich alle einig, bleibt aber nach wie vor die finanzielle Ausstattung. Und auf die haben die Forumsteilnehmer nur bedingt Einfluss.

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