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Packender Abschied : Bühnentechniker: „Nicht ohne unsere Pinnwand“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Großes Aufräumen im Theater im Stadthafen / Eine neue Chance für die kleinen Spielstätten

svz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Sie packen alle mit an. Im Minutentakt wandern Teppiche, Vorhänge, Podeste und Platten über die Bühne des Theaters im Stadthafen (TiS). Doch es sind nicht etwa die Vorbereitungen für ein neues Stück, die den Bühnentechnikern die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Ganz im Gegenteil. Es ist viel trauriger: Der Auszug aus dem Schauspielhaus steht an. Das Volkstheater Rostock musste die Spielstätte aus Kostengründen zum Jahresende schließen.

Die ersten Schrauben haben Ingo Templin, Peter Glaß und Karsten Kalisch zwar schon am 2. Januar gelöst. Richtig los ging es jedoch erst gestern Vormittag. Denn als der Umzugswagen am Bühneneingang anrollte, wurde Stück für Stück darin verstaut. „Es geht nicht alles mit ins große Haus. Wir lassen so viel von der Einrichtung hier, dass dieses Haus jederzeit wieder als Spielstätte genutzt werden kann. Manche Dinge sind mit unseren anderen Bühnen auch nicht kompatibel“, erklärt Ingo Templin. Einige Sachen landen sogar auf dem Sperrmüll. „Bei manchen Dingen lohnt sich einfach kein Umbau. Und auch die alten Bühnenaushänge sind alles Maßanfertigungen, die nicht mehr woanders genutzt werden können“, sagt der Bühnentechniker.

Eines ist ihm und seinen Kollegen allerdings heilig: die Pinnwand. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine wirre Sammlung belangloser Notizzettel. „Das sind ganz viele Dankeskarten der Schauspieler für uns Techniker. Die bekommen wir nach jeder Premiere. Die haben einen sehr hohen emotionalen Wert für uns“, betont er. Und allein beim Gedanken daran wird ihm noch einmal ganz warm ums Herz. Mit dem eigentlichen Umzug geht er gelassener um. Es ist für ihn „ein wehmütiger Abschied mit positivem Ausblick“. Er hofft, dass mit der Schließung des TiS die kleinen Spielstätten mehr Zuschauer gewinnen können.

Bis zum 17. Januar soll dann alles aus- und umgeräumt sein. „Viermal wird der Umzugswagen wohl noch fahren. Danach stehen noch Renovierungsarbeiten auf dem Plan“, erzählt Ingo Templin. Vorrangig müssten die Nebenräume gestrichen werden. Die Bühne selbst bekomme keinen neuen Anstrich. „Wir sind doch keine Schwarzmaler“, scherzt er und packt wieder mit an, denn bis zum Ende der nächsten Woche gibt es für die Bühnentechniker noch viel zu tun.

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