"Büchner": Verschrottung verboten

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23. Januar 2013, 07:00 Uhr

Rostock | Die "Georg Büchner" wird nicht verschrottet. Das haben die Denkmalschützer aus Rostock und Schwerin gestern verfügt, nachdem sie sich vor Ort einen Eindruck vom Zustand des Schiffes verschafft hatten. "Es ist unstrittig, dass der Denkmalwert nach wie vor gegeben ist", sagt Thomas Werner vom städtischen Amt für Denkmalpflege. Die entscheidenden Bauteile wie Motorraum, Brücke oder auch Offiziersmesse seien noch gut erhalten.

"Wir geben jetzt dem Käufer die Möglichkeit, sich dazu zu äußern, ob er das Schiff erhalten will. Das geht aus den uns vorliegenden Unterlagen nicht hervor", sagt Werner. Der Förderverein Traditionsschiff hatte die "Büchner" am 13. Dezember vergangenen Jahres an einen unbekannten Dritten verkauft, nach eigenen Angaben ohne Rücktrittsklausel. Dabei soll es sich um eine litauische Werft handeln, die das Schiff verschrotten will. Eine erste Rate soll bereits gezahlt worden sein.

Die beabsichtigte und bereits vorbereitete Verschiffung ins Ausland ist nun aber vom Tisch - auch wegen des starken Interesses aus Belgien an einer Übernahme des Schiffes. Beim Rostocker Amt für Denkmalpflege ging am Dienstag eine E-Mail ein, diesmal vom Flämischen Verein für Industrielle Archäologie. "Der Verein hat die Absicht, mit allen Mitteln das alte Kongoboot ,Charlesville’ nach Antwerpen zu holen und unterhalten zu lassen", schreibt der Vorsitzende Adriaan Linters darin. "Wir bemühen uns jetzt um ein Konzept, wie es weitergehen kann, und hoffen, das innerhalb einiger Wochen herausgearbeitet zu haben", so Linters weiter.

Als Mitglied der Königlichen Kommission für Denkmäler und Landschaften in Flandern will er das Schiff auch in Belgien unter Denkmalschutz stellen lassen. Daran sei seinen Informationen zufolge auch das Kabinett des flämischen Ministers für Denkmalschutz interessiert. Erste Gespräche habe es diesbezüglich bereits gegeben.

Außerdem bemüht sich auch der Verein Watererfgoed Vlaanderen weiter darum, das Schiff nach Antwerpen schleppen zu können. Den Plänen des Vorsitzenden Eric van Hooydonk zufolge soll es im alten Hafen der belgischen Stadt, der zumindest teilweise ebenfalls unter Denkmalschutz steht, zu einer Besucher-Attraktion ausgebaut werden. Dort hatte die "Charlesville" nach ihrem Stapellauf 1950 ihren Heimthafen, bis sie 1967 als Fracht- und Ausbildungsschiff "Georg Büchner" an die Deutsche Seereederei verkauft wurde.

Um die Kosten des Vorhabens decken zu können, sucht Watererfgoed Vlaanderen mit Hochdruck nach Sponsoren. Mindestens 20 Prozent des benötigten Geldes muss der Verein selbst aufbringen, den Rest könnte laut belgischem Denkmalschutzgesetz der Staat übernehmen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein beschlossenes Nutzungskonzept. Darum bemüht sich auch Linters derzeit: "An einer Strategie, wie es weitergehen kann, wird jeden Tag gearbeitet."

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