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18. November 2017 | 00:29 Uhr

"Büchner"-Verkauf: Forderungen in letzter Minute

vom

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2013 | 06:57 Uhr

Rostock | Hat die "Georg Büchner" eine Chance auf Erhalt als Denkmal in Belgien oder wandert sie auf den Schrott? Noch bis Montag hat die belgische Interessengemeinschaft "Watererfgoed Vlaanderen" Zeit, ihr Interesse an dem denkmalgeschützten Schiff zu bekunden. Schriftlich. Und mit einer Reihe von Auflagen. Das sind die Bedingungen, die Insolvenzverwalter Dr. Tobias Schulze stellt. Andernfalls würde der ursprüngliche Käufer, der das Schiff für 900 000 Euro haben und in Litauen abwracken will, wieder zum Zug kommen, so Schulze.

Die Vorgaben, die der Insolvenzverwalter macht, berühren gleich mehrere Punkte: Die Belgier müssen sich verpflichten, das Schiff als Denkmal zu erhalten. Sonst soll eine Vertragsstrafe über zwei Millionen Euro festgeschrieben und mit einer Bankbürgschaft untermauert werden. Außerdem sollen die Belgier die Kosten des Insolvenzverfahrens und Zahlungen an Gläubiger in Höhe von insgesamt 250 000 Euro übernehmen sowie ab Mai sämtliche Kosten tragen. Zudem müssen sie behördliche Genehmigungen für die Verholung über die Ost- und Nordsee vorlegen.

Für die Belgier, die auf dem Schiff erst am vergangenen Wochenende überhaupt eine genaue Bestandsaufnahme gemacht haben, kommen einige Forderungen überraschend - etwa zur Garantie über einen Erhalt des Denkmals. "Darüber möchten wir lieber mit den Behörden des Landes und der Stadt verhandeln", sagt Eric van Hooydonk, Vorsitzender der Interessengemeinschaft.

Der Bitte der Belgier um etwas mehr Zeit könne Schulze keinesfalls nachkommen, sagt er und verweist auf einen Vertrag mit dem ursprünglichen Käufer. Dabei handelt es sich um die Agent Ventures Limited mit Sitz auf den Seychellen, hinter der ein niederländischer Schrotthändler stehen soll. "Dieser Vertrag ist wirksam. Als Insolvenzverwalter habe ich das besondere Recht, seine Erfüllung auszusetzen, was ich zunächst getan habe - aber nur bis Ende dieses Monats. Dann ist Schluss", sagt Schulze, der sich auf seine Pflicht gegenüber den Gläubigern des insolventen ehemaligen Betreibervereins beruft. Zu ihnen gehören die Hansestadt sowie die kommunalen Rostocker Stadtwerke. Ob sie zugunsten des Denkmalerhalts Abstriche bei ihren Forderungen machen würden, ist bislang offen.

Bevor das Schiff überhaupt abgewrackt werden kann, müssen die Verantwortlichen des Rostocker Rathauses und der Landesdenkmalpflege ihre Zustimmung geben. "Wir können die Verschrottung nur genehmigen, wenn sämtliche Möglichkeiten zum Erhalt ausgelotet sind", sagt Dr. Michael Bednorz, Leiter des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege. Aus seiner Sicht sind die Belgier die einzigen ernst zu nehmenden Interessenten. "Nun kommt es darauf an, dass sie ein plausibles und realistisches Konzept vorlegen", so Bednorz.

In Belgien laufen die Bemühungen um ein tragfähiges Konzept auf Hochtouren. Dort soll die ehemalige "Charlesville" als letztes Kongoboot im Museumshafen von Antwerpen erhalten bleiben. Nach Angaben van Hooydonks ist ein guter Liegeplatz bereits sicher, ebenso die Unterstützung von Politik und Behörden in Flandern. Auch einen Privatinvestor gibt es schon. Er war beim Besuch der belgischen Delegation bereits mit an Bord. Den Kaufinteressenten fehle eine Reihe von Plänen, Berichten und Dokumenten aus Deutschland, sagt van Hooydonk. Für ihn und seine Mitstreiter ist schwer nachvollziehbar, warum der Insolvenzverwalter den zeitlichen Druck aufbaut. Schulze begründet dies mit seiner Pflicht gegenüber den Gläubigern und damit, dass monatlich 15 bis 20 000 Euro laufende Kosten zusammenkämen. Diese Größenordnung scheint zumindest Kritikern etwas hoch gegriffen für ein still liegendes und nicht weiter genutztes Schiff. So belaufen sich beispielsweise die Liegegebühren nach Angaben von Hafenkapitän Gisbert Ruhnke auf rund 1000 Euro im Monat.

Warum werden die Hürden für die belgischen Interessenten so hoch gelegt - ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem diese kurz davor sind, ein möglicherweise tragfähiges Konzept zu präsentieren? Beantwortet werden kann die Frage wohl erst, wenn klar ist, wer von einer schnellen Verschrottung des Schiffes profitiert.

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