"Büchner": Enttäuschung in Belgien

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22. Mai 2013, 08:10 Uhr

Rostock | Die Entwicklungen rund um die "Georg Büchner" lösen auch über die Landesgrenzen hinaus Skepsis, Wut und Enttäuschung aus. Der flämische Minister für Denkmalschutz, Geert Bourgeois, bedauert die Genehmigung zur Verbringung des Schiffs - wahrscheinlich auf eine Schrottwerft. Die Hansestadt Rostock hatte sie am Montag vergangener Woche erteilt. "Dass die ,Charlesville’, die in Flandern für viele eine besondere Bedeutung hat, nicht erhalten werden kann, ist zu bedauern", sagt Bourgeois.

Der Minister habe seinen deutschen Kollegen Mathias Brodkorb nachdrücklich aufgefordert, ein realistischeres Zeitfenster für die Erarbeitung eines Übernahmedossiers durch eine Gruppe flämischer Investoren zu gewähren. "Die deutschen Behörden missachteten die Bitte", sagt sein Sprecher Kris Snijkers. "Für ein Projekt dieser Größenordnung ist es jedoch unmöglich, in weniger als einem Monat einen finanziell völlig untermauerten Plan einzureichen."

Enttäuscht ist auch der Belgier Eric van Hooydonk, der sich mit der Interessengemeinschaft Watererfgoed Vlaanderen für den Erhalt und die Verholung des Schiffs in seinen Heimathafen, Rostocks Partnerstadt Antwerpen, eingesetzt hatte. "Wir haben drei sehr konkrete Vorschläge für eine Übernahme gemacht, aber bis heute keine offizielle Antwort von der Stadt, dem Insolvenzverwalter, dem Landesamt für Denkmalpflege oder der Landesregierung bekommen", sagt er. Auf Internetseiten der maritimen Szene Belgiens, so van Hooydonk, gebe es bereits Aufrufe, Rostock als Anlaufhafen für Traditionssegler zu boykottieren - zum Beispiel zur Hanse Sail.

Während die Belgier noch immer auf eine Rettung des Schiffs hoffen, soll die "Büchner" auf ihre Verschleppung aus dem Stadthafen vorbereitet werden. Vorher sollen einzelne, erhaltenswerte Einrichtungsgegenstände an den Verein Societät maritim gehen. Verwunderlich findet das Dr. Peter Danker-Carstensen, Leiter des Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum. Im Dezember habe Klauß Janßen, Chef des pleite gegangenen Betreibervereins, dem Förderverein des Schiffbaumuseums nachdrücklich klargemacht, dass keine Teile ausgebaut oder mitgenommen werden dürfen, weil das der Kaufvertrag so regele. Das städtische Museum konnte deshalb nur drei kleine Modelle von Bord der "Büchner" bekommen. "Seitdem hat kein Mensch jemals wieder mit uns darüber gesprochen", so Danker-Carstensen. Wertvoll und erhaltenswert sind aus seiner Sicht auch nautische Antiquitäten und die Brückeneinrichtung.

Unterdessen hat das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) Kontakt mit den litauischen Umweltbehörden aufgenommen. So will das Amt überwachen, wohin das Schiff gebracht wird und ob eine heimliche Entsorgung geplant ist. Denn bislang konnte das Landesamt noch keine stichhaltigen Beweise sammeln, dass das Schiff wirklich verschrottet werden soll.

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