zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 22:31 Uhr

"Büchner"-Aktivist will in den Bundestag

vom

svz.de von
erstellt am 16.Jul.2013 | 07:31 Uhr

Rostock | Anfangs haben seine Freunde noch an einen Witz geglaubt. Spätestens seit Montag ist klar: Steffen Wiechmann meint es ernst. Seit März hat er mit seinem mobilen Wahlstand - einem kleinen Stehtisch mit aufgesetztem Pappschild "Wählt Wiechmann" - 247 Unterschriften gesammelt, um am 22. September als Rostocker Einzelbewerber bei der Bundestagswahl zugelassen zu werden. Die Sammlung hat er fristgerecht am Montag bei der Kreiswahlleitung eingereicht. Jetzt fehlt nur noch das Okay des Kreiswahlausschusses. Der tagt am 27. Juli.

Sein Grundanliegen hat Wiechmann, einer der maßgeblichen Organisatoren der "Büchner"-Demos in Rostock, von Ex-Bundeskanzler Willy Brandt übernommen: Mehr Demokratie wagen. "Das Zitat kann ich nur unterstreichen", sagt der 37-Jährige. Das habe ihn auch bei den Protesten für den Erhalt der "Georg Büchner" angetrieben. "In diesem Zusammenhang ist mir wieder das Demokratie-Defizit in dieser Stadt aufgefallen." Das will er mit seiner Kandidatur zumindest ein Stück weit abbauen und sucht dafür die Diskussion mit den Bürgern auf der Straße. "Das nimmt momentan meine gesamte Freizeit in Anspruch, aber das ist es mir wert - das ist gelebte Demokratie", sagt er. Gute Vorschläge sollen den Weg in sein Wahlprogramm finden, an dem er momentan feilt. Bislang fordert er 1000 Euro Mindestrente für Menschen ab 65, die Aufnahme der UN-Kinderrechtskonvention ins Grundgesetz und eine Diskussion über die künftige Ausgestaltung der Demokratie.

Gerade Letzteres liegt ihm am Herzen. "Wir brauchen mehr direkte Beteiligung der Bevölkerung", sagt Wiechmann. Es könne nicht sein, dass Abgeordnete sich bei Abstimmungen im Bundestag eher ihren Parteien verpflichtet fühlten als ihren Wählern. Dennoch sei das derzeit der Fall. Ein weiterer Kritikpunkt Wiechmanns bezieht sich auf das Verhältnis der Abgeordneten zu ihren Bürgern: 622 stehen 80 Millionen Einwohnern gegenüber. Da sei es schwer, den Willen der Menschen im eigenen Wahlkreis überhaupt zu erkennen und dann in ihrem Sinn zu entscheiden. Als gewählter Bundestagsabgeordneter wolle er das Volk stärker einbeziehen. "Die Leute müssen sich für ihre Belange einsetzen können." Das Beste sei es, wenn Entscheidungen von möglichst vielen getroffen würden.

Seine Kandidatur betrachtet der gelernte Tischler, der seit 20 Jahren als Autodidakt bis hin zur Bundesebene in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, auch als Experiment: Was kann man mit nichts als seinen Ideen erreichen? "Wir haben berechnet, dass wir für einen aus unserer Sicht vernünftigen Wahlkampf 1000 Euro bräuchten - die haben wir nicht", sagt Wiechmann. Für Parteien sei das hingegen kein Problem. Aber: "Wenn es das Recht eines jeden Bürgers ist, zu kandidieren, dann sollte er auch dieselben Mittel dafür bekommen wie die anderen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen