Brutaler Überfall für 100 Euro Beute

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14. März 2013, 07:52 Uhr

Rostock | Peter K. (22) beschäftigt schon wieder die Justiz in Rostock: Er soll eine 60-Jährige in der S-Bahn ausgeraubt haben - wenige Tage, nachdem er für einen Überfall auf eine Backhus-Filiale in Lütten Klein verurteilt worden war. Seit gestern steht er nun erneut vor der dritten Großen Strafkammer. Mit Bettina M., derselben Komplizin wie bei dem Backhus-Überfall, soll er am 9.Oktober 2011 in der S-Bahn von Warnemünde nach Rostock zugeschlagen haben.

Gegen 12.40 Uhr des Tattages saßen beide mit einer älteren Dame in der oberen Etage des S-Zuges. Während Bettina M. sich neben die Dame setzte und sie mit einem langen Messer bedrohte, sicherte Peter K. die Aufgänge in den Bahn ab. "Geld her. Nicht schreien, sonst stech ich dich ab", habe Bettina M. zu ihr gesagt, berichtete das Opfer Dorothea N. (60) als Zeugin im Prozess. "Ich gab ihr zwei 50-Euro-Scheine, denn es war niemand da, der mir helfen konnte." Auch Bettina M. wurde gestern als Zeugin gehört. Sie ist inzwischen zu einer zweiten Strafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Peter K. legte gestern ein Geständnis ab. "Wir verhandeln am 19. März weiter", kündigte der Richter an. Und er gab dem Angeklagten mit auf den Weg: "Begehen sie bis dahin keine weiteren Straftaten." Peter K. zeigte deutliche Entzugserscheinungen. Er habe seit zwei Tagen keinen Alkohol getrunken, sagte er. Das Gericht musste sich gestern auch mit dem Urteil zum Backhus-Überfall noch einmal beschäftigen. Denn Peter K. hatte dagegen Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) eingelegt - und tatsächlich erreicht, dass die Sache neu aufgenommen werden muss. Die damals verhängte Jugendstrafe von zwei Jahren wegen schwerer räuberischer Erpressung war laut BGH zwar nicht zu hoch. Aber das Landgericht habe in dem Verfahren nicht geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt gegeben sind. Sein Drogen- und Alkoholkonsum sei massiv.

Kurz nach Ladenschluss an einem Tag im März 2011 hatten Peter K. und seine Bettina M., die später eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren erhielt, die Backhus-Filiale in Lütten Klein überfallen. Mit einem vorgehaltenen Schreckschuss-Revolver erbeuteten sie rund 900 Euro. Die Angeklagten hatten laut Urteil kein Mitleid mit der zu Tode erschrockenen Verkäuferin und zeigten bis zuletzt auch keine Reue.

Im Gegenteil: Noch während des Strafverfahrens, genau zwei Tage vor ihrer Verurteilung, wurden sie in einer Kaufhalle beim Diebstahl erwischt. Mit einem Hirschsteak, eineinhalb Kilo Kalbfleisch und mehreren Flaschen Wodka wollten sie an der Kasse des Großmarktes vorbei, ohne zu bezahlen. Das war auch der Grund, warum die Jugendkammer die Strafe für Peter K. nicht mehr zur Bewährung aussetzte, obwohl sogar die Staatsanwaltschaft damals eine Bewährungsstrafe beantragt hatte.

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