Brutaler Polizist zu Bewährungsstrafe verurteilt

svz.de von
09. Juli 2012, 07:53 Uhr

Rostock | Ein Polizist, der im Jahr 2008 in Rostock gewaltsam gegen einen Mann vorgegangen war, ist gestern vom Amtsgericht der Hansestadt zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss er 2000 Euro Geldstrafe zahlen und mit dienstlichen Konsequenzen rechnen. Die Strafe fiel schärfer aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Sie hatte lediglich eine Geldstrafe verlangt. Die Verteidigung des Polizisten will gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.

Der heute 42-jährige Beamte war im Mai 2008 zusammen mit einem Kollegen mit Gewalt gegen einen Bewohner in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt vorgegangen. Das Verfahren gegen den zweiten Polizisten war bereits gegen eine Zahlung von 1000 Euro Schmerzensgeld eingestellt worden. Hintergrund des Vorfalls war eine Auseinandersetzung wegen Falschparkens.

Der Anwohner und selbstständige Fuhrunternehmer hatte sich wegen der Verteilung von Knöllchen durch die Polizei beschwert und Autos mit einer Kamera gefilmt. Als er dann die Beamten filmen wollte, wurde er laut Zeugenaussagen von den Polizisten zu Boden gedrückt, geschlagen und in ein Polizeiauto geschoben. Dabei habe er sich zudem am Autodach den Kopf gestoßen. Der Mann verbrachte anschließend eine Nacht in Zentralgewahrsam. Ein Verfahren wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt war gegen Arbeitsauflagen eingestellt worden.

Der nun verurteilte Polizist hatte die Körperverletzung vehement abgestritten und vor Gericht von Notwehr gesprochen. "Ich habe nur meine Arbeit gemacht", so der Beamte in einer der ersten Anhörungen. Nach den Worten der Vorsitzenden Richterin nutzte der Beamte die Situation damals jedoch gezielt aus, um hart und über das erforderliche Maß hinaus gegen den Anwohner vorzugehen. Zudem sei die Ehefrau des Mannes nicht über die Festnahme informiert worden, obwohl sie sich um ihren Mann sorgte.

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