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Zahnrad stoppt Brückendreh in Warnemünde : Brücken-Experten suchen den Fehler

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Drei abgebrochene Zahnrad-Teile und eine defekte Lagerwelle sind der Grund, warum sich derzeit die Warnemünder Bahnhofsbrücke nicht drehen lässt. Experten wollen eine Lösung erarbeiten.

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erstellt am 16.Apr.2012 | 07:44 Uhr

Warnemünde | Schlossermeister Harry Saß aus Rostock ist so etwas wie der Doktor für die Warnemünder Bahnhofsbrücke. Gestern war sein praktisches Wissen und handwerkliches Geschick wieder einmal gefragt. Denn der 75-jährige Schlossermeister betreut das technische Innenleben des Denkmals von 1903 mit seiner Firma Metallbau GmbH bereits von 1998 an im Auftrag der Hansestadt. Seit vergangenem Jahr ist die Brücke defekt. Beim alljährlichen Probedrehen war die Lagerwelle vom Drehkranz gebrochen. Außerdem sind an einem von vier Segmenten Teile des Zahnkranzes kaputt. Weil die Brücke noch immer defekt ist, wird in diesem Jahr das beliebte Drehen der Bahnhofsbrücke zum Stromerwachen ausfallen müssen. Gestern haben sich verschiedene Brücken-Eperten vor Ort ein Bild vom Zustand der Brücke gemacht.

Fachmann wurde im Urlaub auf Problem aufmerksam

Dazu zählen neben Harry Saß, Tief- und Hafenbauamtsleiter Heiko Tiburtius, Brückeningenieurin Anja Koch, Jochen Seemann vom Ingenieur-Büro Wastra-Plan sowie Dr. Christian Bendzuck von der Firma Köster-Maschinenfabrik und Gießerei aus Heide. Ihn hat der Zufall an diesen Ort geführt. Bei einem Besuch bei seiner Tochter, die hier in Rostock studiert, hat Bendzuck von dem Brückenproblem gehört und sich spontan im Tief- und Hafenbauamt gemeldet. Denn die Firma in Heide ist auf maßgeschneiderte Lösungen und die Anfertigung von neuen Teilen nach altem Vorbild spezialisiert.

Gestern machte Harry Saß den Heider mit dem Thema vertraut. Seiner Vermutung nach ist zu viel Phosphor im Guss enthalten. "Das zersetzt das Material", sagt der Schlossermeister. Außerdem erkennt Bendzuck einen weiteren Fehler: Teile des Innenlebens sind aus verschiedenen Materialien gearbeitet, die Antriebswelle besteht aus elastischem Stahl, die anderen Teile aus festem Guss. Das passt nicht zusammen.

Bendzuck ist ansonsten begeistert von der Warnemünder Brücke: "Sie ist die zweitälteste drehbare Brücke in Deutschland." Seine Firma wird der Hansestadt noch bis Ende April ein Angebot unterbreiten. Hier ist keine Flickschusterei am Zahnkranz oder der Lagerwelle möglich. Voraussichtlich muss ein Abdruck angefertigt und ein neuer Zahnkranz gegossen werden. Für Bendzuck ist das eine reizvolle Aufgabe. "Das ist quasi ein À-la-carte-Geschäft, hier sind Werkstoffkunde, Mechanik und anderes Fachwissen gefragt", sagt er. Genau diese Vielfalt reizt ihn. Außerdem ist er begeistert von Rostock und seinem Seebad: "Das ist eine Traumstadt."

Amts-Chef Tiburtius und Brücken-Ingenieurin Koch sind gespannt auf das Ergebnis der Begutachtung und die Reparaturvorschläge. "Es ist nicht gut, wenn die Brücke sich nicht drehen lässt, das ist wie beim Menschen, wer rastet, der rostet", sagt Koch, die in Rostock für 85 Brücken zuständig ist. Alle Beteiligten hoffen, dass zum Stromerwachen 2013 alles repariert ist.

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