Warnemünde : Broilerbar ist Kult seit den 70ern

Auf acht Stangen brutzeln im Grill je vier Hähnchen, die, sobald sie den richtigen Bräunungsgrad haben, auf die Teller kommen und von Maik Werner (l.) serviert werden. Broiler-Chef Daniel Werner ist selbst ein bekennender Hähnchen-Fan.
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Auf acht Stangen brutzeln im Grill je vier Hähnchen, die, sobald sie den richtigen Bräunungsgrad haben, auf die Teller kommen und von Maik Werner (l.) serviert werden. Broiler-Chef Daniel Werner ist selbst ein bekennender Hähnchen-Fan.

Andrang im Juli wie im November: Das Geheiminis für den einmaligen Geschmack der Hähnchen ist die Frische und die Rezepturen wie vor 40 Jahren.

svz.de von
25. April 2015, 09:05 Uhr

Sie war und ist Kult, die Broilerbar im Hotel Neptun. Rund 10 000 Gäste zählt die neunköpfige Crew um Daniel Werner dort Monat für Monat. Vor allem an den Wochenenden, egal ob November oder Juli, sind freie Plätze an den neun Tischen oder am Tresen mit 16 Stühlen eher eine Seltenheit. Schien die Schlange der Urlauber und Einheimischen zu DDR-Zeiten vor dem Eingang auf der Seepromenade schier endlos, so werden heute Wartende ins Foyer oder an die Bar des Hotels gebeten. „Sind Plätze nach einer Wartezeit frei, bitten wir zu Tisch“, sagt Daniel Werner, der die Grillstube Broiler seit 2004 leitet. „Die allermeisten Gäste bestätigen, dass es bei uns wie in vergangenen Zeiten schmeckt. Kritikern kann unsere Köchin Marianne Räther, die seit 36 Jahren im Broiler arbeitet, versichern, dass sich an unseren Rezepturen nichts geändert hat“, betont der 38-jährige Hotelfachmann, der nach seiner Lehre auf MS „Deutschland“ zur See gefahren und 2002 zunächst in der Skybar des Neptunhotels angeheuert hat.

Die Hähnchen, die maximal 60 Tage alt sein und höchstens 1200 Gramm auf die Waage bringen dürfen, werden für zwei Stunden in einer Gewürzlauge eingelegt. Diese besteht vorwiegend aus Salz, Pfeffer und Paprika. „Die genaue Zusammensetzung verraten wir natürlich nicht. Ebenso halten wir die Rezepturen für unsere Puszta- sowie die Teufelssoße und die Curry-Mayonnaise, die wirklich süchtig machen kann und mein persönlicher Favorit ist, streng geheim“, sagt Daniel Werner. Einen Grund dafür, dass die Hähnchen so beliebt sind, sieht er in der Frische. „Bei uns gehen die Broiler, sobald sie den richtigen Bräunungsgrad im Grill, in dem auf acht Stangen je vier Hähnchen brutzeln, erreicht haben, sofort weg. Zumal wir ja auch außer Haus verkaufen“, so der 38-Jährige.

Aufgrund der großen Nachfrage gibt es im Hotel Neptun inzwischen längst einen zweiten Grill, der in der Küche des benachbarten Restaurants Neptuns M seinen Platz gefunden hat. Dort sind auch Reservierungen möglich, in der Broilerbar hingegen nicht. Anders als zu DDR-Zeiten finden die Gäste heute auf der Speisekarte beispielsweise auch Suppen, Matjesfilet, Schweinesteak oder argentinisches Rumpsteak.

Viele, vor allem Stammgäste aus Nah und Fern, darunter Prominente wie unter anderen fast alle Ex-Trainer des FC Hansa oder auch Jürgen von der Lippe lieben neben den Speisen auch das nostalgische Flair der 1970er-Jahre. „Bei Sanierungsarbeiten im Hotel wurde auch schon darüber diskutiert, die Broilerbar umzugestalten. Doch warum etwas ändern, was die Leute so und nicht anders lieben? Das macht keinen Sinn“, findet der junge Gastronom, der selbst gern mal einen halben Broiler mit knusprigen Pommes verspeist. Ebenso wie seine Kollegen aus dem Hotel, die das saftige, goldbraune Hühnchen zu schätzen wissen.

Steckbrief: Broilerbar

Das Wohnungsbaukombinat und das schwedische Unternehmen SIAB errichteten von 1969 bis 1971 das 64 Meter hohe Hotel Neptun, das im Frühjahr 1971 eröffnet wurde. Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich seit Anbeginn das Restaurant Goldbroiler, das bis heute dieses für die DDR typische Wort Broiler im Namen hat. Obwohl die Zimmer, die allesamt über Meerblick verfügen, über den FDGB-Feriendienst vergeben wurden, galt auch im Goldbroiler die Preisstufe S+200, die höchste Preiskategorie der DDR. 1974 kostete ein halber Broiler mit Pommes 7,35 Mark der DDR, 1986 waren  es 8,40 Mark. Ein halber Liter Bier war für 1,49 DDR-Mark zu haben. In der Grillstube Broiler, so die offizielle Bezeichnung heute, wurden Mitte der 1980er-Jahre die Stühle gegen Bänke ersetzt. Das gesamte andere Interieur stammt aus den 1970er-Jahren und wird auf Wunsch der Gäste nicht ausgetauscht. 
 

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