Rostock : Brennpunkt Krematorium

Das Krematorium auf dem Neuen Friedhof soll in den nächsten Jahren saniert werden.
Das Krematorium auf dem Neuen Friedhof soll in den nächsten Jahren saniert werden.

Veraltete Öfen und Technik sowie Probleme mit den Feinstaub-Grenzwerten: Jetzt soll eine Sanierung Besserung bringen

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31. Januar 2018, 12:00 Uhr

Es brennt im städtischen Krematorium: „Von den zwei Öfen, die wir haben, funktioniert im Moment nur noch einer“, sagt Ute Fischer-Gäde, Leiterin des zuständigen Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege. Und selbst mit diesem gebe es Schwierigkeiten bei der Einhaltung der Feinstaub-Grenzwerte. „Wir haben wirklich alles versucht“, sagt die Amtschefin. „Aber die Technik ist so alt, dass wir jetzt mit neuen Standards, mit neuen Technologien ran müssen.“

Selbst der Einbau von Filtern helfe nur bedingt. Erfolg brachte dafür eine umfassende Reinigung der Anlage im vergangenen Jahr: Verstöße gegen die Grenzwerte gab es bei der letzten Messung keine mehr. Die Öfen seien bereits seit rund 20 Jahren in Betrieb, erklärt Fischer-Gäde. Gerade jetzt würden sie eigentlich beide dringend benötigt. Denn die Zahl der Einäscherungen sei in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, während die Nachfrage nach Erdbestattungen stark abgenommen habe. Aktuell mache diese Form der Beisetzung nur noch zwei Prozent aus, erklärt Fischer-Gäde: „Wir brauchen ganz dringend Technik, sodass zwei Öfen parallel funktionieren.“

Nur so werde den modernen Ansprüchen Genüge getan. „Wir müssen uns dem Zeitgeist anpassen.“ Aktuell erfordere die Reparatur viel Aufwand. Um die Sanierung und einen eventuellen Anbau an das denkmalgeschützte Gebäude zu realisieren, sollen nun die Planungen anlaufen. „Wir sind nur für den technischen Teil verantwortlich, der Kommunale Eigenbetrieb Objektbewirtschaftung und -entwicklung für die Hülle“, sagt Fischer-Gäde. Im aktuellen Jahr seien 238 000 Euro als Planungsmittel in den Haushalt eingestellt, für 2019 seien es 417 000 Euro.

Der Denkmalschutz bilde eine spezielle Herausforderung, erklärt die Amtsleiterin. Dennoch sei der Verbleib am Standort Neuer Friedhof vorgesehen. „Das heißt nicht, dass wir am Gebäude etwas so weit verändern“, sagt Fischer-Gäde. Es verfüge über einen besonderen Wert und eine besondere Ästhetik. „Wir überlegen dennoch, ob wir mit einem entsprechenden Anbau auf Änderungen auch in der Bestattungskultur reagieren können.“ Beispielsweise würden Räume für rituelle Waschungen fehlen, wie sie in der jüdischen oder auch muslimischen Kultur selbstverständlich seien.

Kommentar “Dringend benötigt“ von Torben Hinz

Feinstaub-Grenzwerte wirken im Zusammenhang mit Krematorien makaber. Schließlich handelt es sich nicht um Autoabgase, die hier reguliert werden. Aber auch Krematorien benötigen zur Erfüllung ihrer Aufgabe Brennstoffe wie Gas oder Öl. Deswegen macht es durchaus Sinn, sie in der Bundesemissionsschutzverordnung zu berücksichtigen. Zumal ihre Auslastung in den kommenden Jahren kaum geringer werden dürfte – der Wandel weg von der klassischen Erd- hin zur Feuerbestattung ist durchschlagend. Gründe dafür sind nicht zuletzt die Kosten, die bei Urnen deutlich niedriger ausfallen, sowie die veränderte Religiosität. Fest steht daher: Rostock braucht ein funktionierendes Krematorium. Und zwar ein leistungsstarkes mit zwei Öfen, das auch den Umweltstandards gerecht wird.
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