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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Dezember 2017 | 17:01 Uhr

Energie : Brennholz anstatt Biodiesel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Geplatztes Projekt stellt Schwaaner Landwirt vor Probleme. Aus schnell wachsenden Bäumen sollte ursprünglich Kraftstoff gewonnen werden.

Biodiesel aus dem Holz schnell wachsender Bäume gewinnen – diese Idee erschien Landwirt Gernot Schaack vor rund zehn Jahren bestechend. Am Stadtrand von Schwaan ließ der Geschäftsführer der KSG Agrargesellschaft Kassow auf 20 Hektar eine Plantage mit Weiden, Pappeln und Robinien pflanzen. Die Bäume wachsen wie Büsche, ihr Holz kann innerhalb von etwa 30 Jahren mehrmals geerntet werden. Wie Schaack setzten damals bundesweit Landwirte auf die Nischenproduktion als Energiewirt. Von der zweiten Kraftstoffgeneration war die Rede. Im sächsischen Freiberg wurde bei der eigens für diesen Zweck gegründeten Firma Choren an der weltweit ersten Pilotanlage experimentiert. Doch im Sommer 2011 war plötzlich Schluss. Den Tüftlern war das Fördergeld ausgegangen. Geblieben sind die Plantagen und mit ihnen so manches Problem.

„Meine Bäume sind inzwischen so stark, dass ich sie mit eigener Technik nicht mehr abschneiden kann“, sagt Schaack. Sie zwischenzeitlich abzusägen erschien ihm angesichts mangelnden Absatzes wenig sinnvoll. „Deshalb musste ich mir jetzt ein Unternehmen suchen, das über geeignete Technik verfügt.“ Gefunden hat er Thomas Stockerl, einen gebürtigen Bayern, der sich mit einem Dienstleistungsunternehmen unweit von Rerik selbstständig gemacht hat. Mit festem Griff umklammert die an eine Baumaschine montierte hydraulische Schere gleich eine ganze Reihe der bis zu 15 Zentimeter starken Äste, um sie im gleichen Augenblick abzuschneiden. „Das Holz geht an ein Heizwerk in Hagenow. Ich hoffe, das sich daraus eine längerfristige Lieferkooperation entwickelt“, so Schaack, der froh darüber ist, nach etlichen vergeblichen Anläufen wieder einen Abnehmer für sein Plantagenholz gefunden zu haben. Zuletzt war vor sechs Jahren geerntet worden.

Gleichwohl wäre ihm ein Erfolg der Choren-Pläne lieber gewesen. Von jedem Hektar Holz sollten bis zu 4000 Liter Kraftstoff gewonnen werden, dreimal mehr als bei Biosprit aus Raps. Basis sollte ein Syntheseverfahren sein, das schon vor 80 Jahren entwickelt worden, aber wieder weitestgehend in Vergessenheit geraten war. Die Deutschen Franz Fischer und Hans Tropsch hatten aus Holz Synthesegas und am Ende eines dreistufigen Verfahren einen CO2-neutralen Diesel gewonnen. Wasserklar und um mehr als die Hälfte schadstoffärmer als aus fossilen Rohstoffen. Bei Choren saßen Autogiganten wie VW und Daimler mit im Boot, auch MBB. Allein Ölriese Shell hielt 32 Prozent der Anteile. Am Ende verloren alle die Geduld und stiegen aus. Es hatte ihnen einfach zu lange gedauert, die Pilotanlage serienreif zu machen, hieß es.

„Heute heißt es für uns, außer Spesen nichts gewesen“, beschwert sich Schaack. „Ich bin froh, wenn ich mit meiner Holzernte diesmal wenigstens plus minus Null einfahre.“ Allerdings: „Schaue ich auf die aktuellen Preise bei Getreide und Ölfrüchten auf dem Weltmarkt, dann sieht es dort nicht wesentlich besser aus. Vielleicht kommen ja beim Holz eher wieder bessere Zeiten als bei allen anderen landwirtschaftlichen Rohstoffen“, wägt der Landwirt ab. Zu Chorenzeiten wurden bis zu 80 Euro je Tonne Holz gezahlt. Aktuell ist es deutlich weniger. Angesichts gerade wieder nach oben schnellender Spritpreise hält er Biodiesel aus Holz weiterhin für eine Alternative zum klassischen Treibstoff. Er hofft, dass sich die Technologie eines Tages doch noch durchsetzen wird, um dann mit dem Holz richtig Geld zu verdienen.

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