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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 07:34 Uhr

Tischgenuss : Brasilianisches Flair in Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Abendessen bei Fremden: Gundula Bergter hat zwei Jahre in Südamerika gelebt und bittet nun Gäste in der Hansestadt an ihre Tafel

von
erstellt am 24.Jun.2014 | 11:00 Uhr

Es ist Punkt 19 Uhr, als ich vor der fremden Haustür am Rande des Barnstorfer Waldes stehe. In der E-Mail stand, ich solle bei „Bergter“ klingeln und drücke schließlich auf den Knopf. Gespannt warte ich, wer mir gleich die Tür öffnen wird – doch erst einmal stehe ich im Hausflur. Von oben höre ich eine gut gelaunte Frauenstimme, die „Willkommen“ ruft. Ich beeile mich, die Wendeltreppe hinaufzusteigen und da steht sie lächelnd in ihrem grünen Brasilien-Shirt: Gundula Bergter, meine Gastgeberin für diesen Abend.

Als eine von aktuell vier Gastgebern bei dem Projekt „Zu Tisch in Mecklenburg“ begrüßt die 29-Jährige normalerweise Touristen aus aller Welt in ihrer Dachgeschosswohnung in der Rostocker Gartenstadt. Initiiert wurde das Ganze von dem Verein Kreativsaison, der den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern mit außergewöhnlichen Ideen weiterentwickeln will. Ziel ist es, Einheimische und Gäste im Land auf Augenhöhe zusammenzubringen.

Angekommen in Gundulas Wohnung fühle ich mich plötzlich selbst wie ein Tourist – allerdings nicht wie in Mecklenburg, sondern wie in Brasilien. Heißer Samba schallt durch die Räume. Dazu duftet es ganz wunderbar nach exotischem Essen. Noch bevor ich fragen kann, was hier so gut riecht, erzählt Gundula auf dem Weg in die Küche, dass sie eine vegetarische Variante der Feijoada kocht – das brasilianische Nationalgericht, was unter anderem aus schwarzen Bohnen, Aubergine, Karotten und viel Knoblauch besteht. Dazu gibt es Farofa – geröstetes und angemachtes Maniokmehl mit Bananen –, Couve mineira – gedünsteter Mangold –, mit Knoblauch zubereiteten Reis und Orangensalat. „Die Brasilianer mischen auf ihren Tellern gern alles Mögliche zusammen“, sagt die Kommunikations-Designerin, die zwei Jahre lang am Zuckerhut gelebt hat. Wie sehr sie sich in das Land verliebt hat, ist ihrer Wohnung anzusehen. Überall entdecke ich Mitbringsel, darunter eine Machete, Holzinstrumente und sogar den Kopfschmuck ihres Karneval-Kostüms. Das Tanzen hat sie in Brasilien gelernt und gibt in ihrem Wohnzimmer sogleich eine Kostprobe.

Bevor ich mich weiter umsehen kann, werde ich von Gundula mit eingespannt. Ich soll Limetten mit Zucker zerstoßen und den Caipirinha vorbereiten. Gesagt – getan. Schnell kommen wir ins Plaudern. Als 13-Jährige habe sie zum ersten Mal Kontakt zu Brasilien gehabt. „Meine Familie hat einen brasilianischen Austauschschüler aufgenommen. Er hat mir viel über das Land und die Kultur erzählt“, sagt Gundula. Sie sei sofort fasziniert gewesen und wollte irgendwann wissen, ob all diese Geschichten stimmen und ging nach der Schule in das Land, was derzeit die Fußball-Weltmeisterschaft austrägt. „Die Geschichte hat leider kein Happy-End. Der Austauschschüler ist mit 19 Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben“, erzählt die 29-Jährige. Mit seiner Familie stehe sie aber bis heute in Kontakt.

Nach diesem ersten Besuch hat sie das Land so richtig gepackt. Die Freiberuflerin hat Portugiesisch gelernt, ihre Praktika fürs Studium in Rio de Janeiro absolviert und die brasilianische Küche studiert. Schon oft hat Gundula Feijoada zubereitet, doch dieses Mal erstmals vegetarisch mit Tofu. „Ein brasilianischer Freund hat mir die Geheimzutat verraten – italienischer Käse.“ Mit einer großen Kelle füllt Gundula die schwarze Masse auf die Teller, platziert daneben feinsäuberlich den Reis, Mangold und Orangensalat. Petersilie und Maniokmehl sorgen für einen schönen farblichen Kontrast. Zufrieden setzt sich auch Gundula an den Tisch und prostet mir zu: „Saúde!“ – statt „Prost“ heißt es in Brasilien „Gesundheit“.

Das Essen schmeckt fantastisch, nur das trockene Maniokmehl ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Ich mache es einfach wie die Brasilianer, vermische die verschiedenen Elemente und erlebe eine Geschmacksexplosion. Selbst der pure Reis schmeckt irgendwie besonders. „Das liegt am Knoblauch“, erklärt Gundula. Sie esse ihn nur noch so. Schnell habe ich meinen Teller geleert und lehne mich zufrieden zurück. Der Reis, die Bohnen und das Maniokmehl sättigen extrem. Einen Nachschlag bekomme ich leider nicht mehr runter – auch wenn der Wille da ist.

Nach dem Essen erzählt mir Gundula von ihren vielen Reisen. Bislang war sie in mehr als 40 Ländern und ihre nächsten Ziele stehen auch schon fest: Im August fliegt sie nach Indonesien, um von dortaus sechs Wochen lang durch Südostasien zu reisen. Ich komme danach auf jeden Fall wieder zum Essen vorbei, wenn Gundula wieder für neue kulinarische Überraschungen sorgt.

Mitmachen als Koch oder Gast: www.kreativsaison.de

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