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Aus dem Gerichtssaal : Brandsätze auf Flüchtlingsheim

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zwei Männer wegen versuchten Mordes vor Gericht

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Knapp eineinhalb Jahre nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) hat gestern am Rostocker Landgericht der Prozess gegen die beiden Tatverdächtigen begonnen. Den 25 und 26 Jahre alten Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord und versuchte schwere Brandstiftung vor.

Die beiden aus der Region stammenden Männer sollen in der Nacht zum 12. Oktober 2014 zwei Brandsätze auf das Wohnhaus geworfen haben, heißt es in der vor Gericht verlesenen Anklageschrift. In dem mehrgeschossigen Gebäude hätten zur Tatzeit mehrere Menschen geschlafen, darunter Flüchtlingsfamilien mit Kindern. Dies sei den beiden Männern bewusst gewesen. Sie hätten somit den Tod dieser Menschen billigend in Kauf genommen.

Das Motiv der mutmaßlichen Täter sei Ausländerfeindlichkeit gewesen, zeigte sich die Staatsanwältin überzeugt. Ihren Angaben zufolge hatten die Flüchtlinge in der Tatnacht einen lauten Knall und Brandgeruch wahrgenommen und eine Unterstützerin angerufen, die daraufhin die Polizei alarmierte. Laut Anklage war das Gebäude zur Tatzeit vollständig eingerüstet. Die mit Hilfe von Benzin zu Molotowcocktails umfunktionierten Bierflaschen waren abgeprallt und hatten kaum Schaden angerichtet. Einer der Brandsätze sei an einem Baugerüst zerschellt und habe ein Kunststofffenster in Brand gesetzt. Die zweite Brandflasche fiel demnach auf eine Wiese vor dem Gebäude.

„Nur durch Zufall ist nichts passiert“, sagte Rechtsanwalt Peer Stolle, der einen der Flüchtlinge als Nebenkläger vertritt, nach der Verhandlung. Sein Mandant sei mit seiner vierköpfigen Familie vor Gewalt und Verfolgung geflohen und wolle in Deutschland in Sicherheit leben. Der Anschlag habe die Familie enorm verunsichert.

Die Angeklagten, die seit August 2015 in Untersuchungshaft sitzen, kündigten an, sich später vor Gericht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Die Verhandlung wurde unmittelbar nach Verlesen der Anklageschrift auf den 15. Februar vertagt.

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