gesundheitswirtschaft : Branchenkonferenz in Rostock gestartet

Das Motto ist „Genuss Gesundheit“: Konferenz-Leiter Prof. Horst Klinkman (3. v. r.), Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD, 2. v. r.), portugiesischer Minister Paulo Macedo (r.), Michael Bögner von der AOK.
Das Motto ist „Genuss Gesundheit“: Konferenz-Leiter Prof. Horst Klinkman (3. v. r.), Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD, 2. v. r.), portugiesischer Minister Paulo Macedo (r.), Michael Bögner von der AOK.

700 Fachleute treffen sich, um über aktuelle Entwicklungen zu debattieren / Partnerland ist Portugal

svz.de von
16. Juli 2015, 08:00 Uhr

Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein stabiles soziales Umfeld sind nach Überzeugung des Rostocker Medizinprofessors Horst Klinkmann die grundlegenden Voraussetzungen für ein langes Leben. „Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Lebensweise zu gut 60 Prozent die Lebenserwartung bestimmt. Etwa 20 Prozent sind die Gene, 20 Prozent die Medizin – auch wenn das dem Selbstwertgefühl der Ärzte nicht zuträglich sein dürfte“, sagte der Mediziner am Mittwoch zum Auftakt der elften Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock.

Rund 700 Fachleute aus dem In- und Ausland beraten bis Donnerstag unter dem Motto „Genuss Gesundheit“ über neue Entwicklungen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Essensversorgung am Arbeitsplatz und die durch veränderte Kundenwünsche eingeleiteten Tendenzen im Handel. Laut Klinkmann zeichnen sich als Folge wachsender Verbraucheransprüche vor allem für Discounter deutliche Veränderungen ab.

Die im Jahr 2005 unter Mitwirkung der damaligen Bundesregierung aus der Taufe gehobene Fachtagung habe sich als Plattform des Meinungsaustauschs etabliert und in der Vergangenheit wichtige Impulse für die Politik gegeben, erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Jüngstes Beispiel sei das kürzlich beschlossene Präventionsgesetz des Bundes. „Von Beginn an wurde darauf geachtet, dass von den Treffen auch konkrete Projekte ausgehen. Das macht den Erfolg aus. Die Nationale Branchenkonferenz ist eine Konferenz mit Wirkung“, betonte Sellering.

Er zeigte sich überzeugt, dass insbesondere MV vom wachsenden Gesundheitsbewusstsein profitieren könne.„Wir haben eine intakte Natur, eine starke Agrarwirtschaft und eine überaus leistungsfähige Gesundheitsbranche. Die Angebote müssen stimmen. Dann werden wir die Chancen auch nutzen“, sagte Sellering. Die Gesundheitswirtschaft beschäftigt laut Klinkmann rund 108 000 Menschen im Land. 13,6 Prozent trage die Branche zum Brutto-Inlandsprodukt bei, fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt.

Partnerland der Konferenz ist Portugal, das mit einer etwa 30-köpfigen Delegation angereist ist, darunter 15 Vertreter von Kliniken und Unternehmen. Gesundheitsminister Paulo Macedo: „Wir haben hier die Gelegenheit, unsere Leistungsfähigkeit zu zeigen und Kooperationen anzubahnen.“ Die Alterung der Bevölkerung stelle beide Länder vor ähnliche Herausforderungen. Laut Sellering gab es erste Gespräche zwischen den Fachministern über den Einsatz portugiesischer Fachkräfte in Pflegeeinrichtungen in MV. Viele gut ausgebildete Pfleger fänden in ihrer portugiesischen Heimat derzeit keine Arbeit. „Und unser Personalbedarf ist nach oben offen“, sagte der Regierungschef. Nach Angaben von Minister Macedo gibt es Anfragen aus mehreren Ländern nach Pflegepersonal aus Portugal. 

Müntefering wirbt für mehr Bewegung

Der frühere Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD) sorgt sich um den oft mangelnden Bewegungsdrang von Kindern. „Wir sind noch durchs Viertel zu unseren Freunden gelaufen. Heute sitzt diese Altersgruppe auf der Couch und macht Schaltkonferenzen“, sagte der 75-Jährige gestern in Rostock bei der 11. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft. Zunehmende Technisierung und moderne Kommunikationsmittel machten träge. „Wir sind eine Bewegungsbehinderungsgesellschaft“, beklagte Müntefering und verwies auf jüngste Studien, nach denen nur 15 Prozent der Deutschen sich regelmäßig sportlich betätigen.

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