Bomben und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg : Bomben-Suche dauert noch 200 Jahre

Foto: dpa
Foto: dpa

In den ersten fünf Monaten gab es bereits 205 Einsätze für den Munitionsbergungsdienst. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Es könnte noch 200 Jahre dauern, bis die letzte Bombe geborgen wird.

svz.de von
10. Juli 2012, 11:39 Uhr

Schwerin | In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat der Munitionsbergungsdienst (MBD) des Landes bereits 205 Einsätze gehabt. Bomben und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg liegen oft nur wenige Meter unter der Erdoberfläche. Jährlich werden bei bis zu 450 Einsätzen um die 140 Tonnen des Sprengstoffes Trinitrotoluol (TNT) unscharf gemacht. Und ein Ende sei nicht in Sicht. "Es könnte noch 200 Jahre dauern, bis die letzte Bombe geborgen wird - allein für die der Kategorie vier", so MBD-Chef Robert Mollitor und meint damit die besonders gefährlichen Bomben.

Derzeit begleitet der MBD die Bauarbeiten der A 14, die auf einer belasteten Fläche entsteht. Bis zu vier Meter tief können die Bomben liegen. Die im Zweiten Weltkrieg bombardierten Städte wie Rostock, Schwerin und Wismar seien hingegen fast sauber. Große Funde werden dort immer seltener.

Schwerpunktgebiete sind hingegen viele Waldstückchen des Landes. "Insgesamt gab es in MV damals 16 Munitionsanstalten", so Mollitor. Erst vor kurzem haben er und seine Männer 29 Tonnen Munition aus einem zwei Hektar großen Waldstück in Wokuhl bei Neustrelitz sichergestellt. Und im Osten des Landes sind noch immer viele Waldflächen gesperrt, wie in Torgelow oder Mirow. "Hier gab es damals große Übungsplätze", erklärt Mollitor.

Dennoch: Der Bergungsdienst muss sich beeilen, denn TNT bleibt auch nach mehr als 60 Jahren stabil. Besonders gefährlich seien die Bomben mit einem Langzeitzünder. "Hier besteht die Gefahr, dass durch äußere Einflüsse wie Erschütterungen alles in die Luft gehen kann", sagt Mollitor. Im Durchschnitt passiere das einmal im Jahr.

Um die 30 Mitarbeiter hat der MBD in MV derzeit. Alarmiert wird der Dienst in der Regel von der Polizei. Die Beräumung großer Flächen wird seit 1995 überwiegend durch private Firmen übernommen, die sich auf Kampfmittel spezialisiert haben. Kontrolliert werden die Einsätze von Mollitor und seinen Kollegen, wie auch die Vernichtung der Sprengstoffe. Wenn ein Abtransport nicht möglich ist, werden die Bomben noch vor Ort gesprengt. Deswegen würden viele Schwerpunktstellen vertraulich behandelt. Schließlich wisse man nie, was einige Menschen mit den Informationen über betroffene Bereiche anfangen.

Mehr als 200 Einsätze im 1. Halbjahr: "Und es gibt keine Anzeichen, dass es weniger wird", so Mollitor. Die Chancen, dass ein Spaziergänger im Wald einen Blindgänger findet, würden auch noch in mehreren Jahren gut stehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen