Rostock Östliche Altstadt : Bomben am Mühlendamm?

Bis Klarheit herrscht, dürfen nur die Bauarbeiter die Fläche Mühlenstraße 4/5 betreten.
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Bis Klarheit herrscht, dürfen nur die Bauarbeiter die Fläche Mühlenstraße 4/5 betreten.

Im Auftrag des Katastrophenschutzes MV erkundet die Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung derzeit die Baufläche am Mühlendamm.

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12. März 2015, 08:00 Uhr

„Achtung, Lebensgefahr“ – so warnt ein Schild vor der Baufläche an der Mühlenstraße 4/5. Bevor hier Wohnungen entstehen, erkundet die Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung im Auftrag des Katastrophenschutzes potenzielle Einschlaglöcher von Blindgängern. Denn: „Weite Teile Rostocks Altstadt sind Verdachtsflächen“, so Christiane Haas vom Stadtplanungsamt.

Da Rostock im Zweiten Weltkrieg mehrfach bombardiert wurde, ist die Suche nach Munition unerlässlich. „Prinzipiell gucken wir auf Baugebieten nach Abwehrmunition“, sagt Diplom-Kaufmann Sebastian Dosdall, der mit seinem Vater Hans-Joachim Geschäftsführer der Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung ist. Die Bomben zu finden, ist schwierig: „Deutschlandweit liegt die Blindgängerquote zwischen 10 und 30 Prozent“, so Dosdall junior. Obwohl jährlich bundesweit mehrere Tausend Tonnen Kampfmittel aller Art geborgen werden, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen bei Bautätigkeiten oder dem Umgang mit Fundmunition – teilweise mit tödlichem Ausgang. „Deshalb ermitteln wir gründlich“, sagt Sebastian Dosdall. Verantwortlich hierfür seien bei Tiefbauarbeiten die Bauherren – im Falle des Mühlendamms die AP Planungsgesellschaft Rostock.

Und wenn tatsächlich Explosives gefunden wird? „Im ungünstigsten Fall müssen wir die Munition vor Ort sprengen“, so Dosdall. Die Bombenpalette ist groß, „doch in der Regel finden wir Spreng- und Brandbomben“, ergänzt Dosdall. Besonders gefährlich seien Bomben mit chemischen Langzeitzündern – „auch diese können in Rostock vorkommen“, so Dosdall senior. Pro Jahr detoniere eines dieser unberechenbaren Geschosse in Deutschland von selbst.

„Dem Munitionsbergungsdienst liegen für den Großraum Rostock mehr als 1600 Kriegsluftbilder aus den Jahren 1941 bis 1945 vor“, sagt Marion Schlender, Sprecherin des Innenministeriums. „Ein sehr gutes Hilfsmittel“, findet der Spreng-Ingenieur. Die Alliierten dokumentierten ihre Angriffe in Fotos, die seit Ende der 1980er-Jahre zugänglich sind. Doch Dosdall senior zufolge seien „Luftbilder nie die ganze Wahrheit“. So könnten beispielsweise Wolken, die Einschlaglöcher verdeckten, die Zahl der Verdachtspunkte verfälschen.

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