Bergung : Bombe ist unscharf

Hinten ist die Fliegerbombe aufgeplatzt.
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Hinten ist die Fliegerbombe aufgeplatzt.

Experten bergen 1000-Pfund-Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg ohne Zünder / Evakuierung rund um die Hartestraße entfällt

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14. August 2015, 15:00 Uhr

Der Termin für die Evakuierung stand bereits fest, doch am Donnerstag konnten die Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst Entwarnung geben. Bei dem Fund in der Hartestraße handelt es sich zwar tatsächlich um eine englische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, sie ist aber nicht mehr scharf. „Hinten ist sie aufgerissen und vorne ist kein Zünder drin – sie ist völlig ungefährlich“, sagt Robert Mollitor, Chef des Munitionsbergungsdienstes MV. Die 1000-Pfund-Bombe soll nun auf dem Stützpunkt in der Nähe von Hagenow zerlegt werden.

Mollitor und sein Team haben für die Bestimmung des Funds tief in der Erde eine neue Technik eingesetzt: Ultra TEM. „Mehrere Sender und Empfänger erzeugen dabei ein dreidimensionales Bild“, sagt Mollitor. Und das habe den Typ und Zustand der Bombe bereits grob vorhergesagt. Ganz sicher sein konnte sich der Bergungstrupp aber erst, nachdem der Sprengkörper freigelegt war. Vor allem in Bezug auf einen möglichen Zünder. Zusätzliches Problem, so Mollitor: „Eisenteile erzeugen dieselbe magnetische Signatur.“ Auch von diesem harmlosen Schrott haben die Arbeiter eine Menge gefunden.

Im Vorfeld der Ultra TEM-Untersuchung hatten die Spezialisten alte Luftbilder ausgewertet, auf denen die Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen sind. Für weite Teile der Hansestadt ist das zwingend vorgeschriebener Standard bei Bauvorhaben. „Rostock war nach Lübeck die zweite Stadt, in der die Engländer gezielt die Bevölkerung angegriffen haben“, sagt Mollitor. Vier Tage lang seien die Flieger immer wieder am Himmel aufgetaucht und hätten ihre tödliche Last abgeworfen. „Danach war die Stadt so zerstört, dass sie für den Rest des Krieges weitgehend in Ruhe gelassen wurde“, so der Experte. Bei dem jetzigen Fund könne es sich um eine der damaligen Bomben handeln. „Es kann sein, dass sie nicht richtig funktioniert hat“, sagt Mollitor. Auf den Luftbildern jedenfalls sei kein Einschlagspunkt zu erkennen. Deswegen kam der Fund für das Versorgungsunternehmen Eurawasser überraschend. In dessen Auftrag werden ein mehr als 100 Jahre alter und erheblich beschädigter Mischwassersammler ausgetauscht und mehr als 400 Meter Leitungen verlegt.

Die Arbeiten sollen nun zügig weitergehen. Bis Anfang nächster Woche dauert der Rückbau der Schutzvorkehrungen durch die Kampfmittelräumfirma, danach darf Eurawasser wieder planmäßig ran. Weitere Anomalien im Boden haben die Untersuchungen nicht offenbart, so Mollitor. Nach dem ersten Praxistest will er das Ultra TEM-Verfahren auch künftig einsetzen. Sollte dann doch einmal eine scharfe Bombe auftauchen, gelte die Evakuierungsfaustregel pro Pfund Sprengstoff ein Meter. „In diesem Fall lag die Bombe so tief, dass wir einen 500-Meter-Radius veranschlagt hatten“, so Mollitor. Besonders sensible Einrichtungen wie nahe gelegene Alten- und Pflegeheime sollten zudem mit zusätzlichen Maßnahmen wie Wassercontainern geschützt werden. Mollitor ist aber froh, sich diesen Aufwand jetzt sparen zu können.

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